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letzte Aktualisierung: 4.12.08 | Rezensionen | |

Falter: "Monumentales Werk"

Die mediale Zwergenwelt, lexikalisch dingfest gemacht

Der Journalist Harald Fidler legt sein monumentales Werk über die österreichische Medienlandschaft vor

Rezension: Armin Thurnher

Die Enzyklopädie ist die aufklärerische Form schlechthin. Sie will die Welt sammeln, darstellen und erklären. Bei den österreichischen Medien gibt es genug aufzuklären. Österreichs Medienlandschaft, ein Missvergnügen und ein Missverständnis. Harald Fidler, Medienjournalist beim Standard, versteht seine Aufgabe als Journalist tatsächlich so: Material herbeizuschaffen, um dieses Missverständnis aufzuklären.

Vorweg sollte ich selbst klären, warum ich als Mitverleger dieses Buches hier schreibe. Nun, es ist erstens weniger eine Rezension als eine Anzeige. Und zweitens: Wo, wenn nicht im Falter Verlag, sollten solche Bücher sonst erscheinen? Das kleine gallige Dorf im Land der Medienrömer hält da zusammen. Das vorliegende ist bereits das dritte Buch Fidlers zum Thema.

Im Buch gibt es einen Eintrag „Thurnher, Armin“, er umfasst immerhin fünf Zeilen. Für diesen Eintrag rief mich Fidler zweimal an, um Fakten zu checken. So viel Detailarbeit steckt in dem Werk. Er schaffte es auch, in den fünf Zeilen über mich einen charakteristischen Fehler zu verstecken, einen Sprachfehler, geschuldet der Fidler’schen Lust an der Verknappung. Da steht „Ständiger Schlusssatz seines oft medienkritischen Leitartikels seit 1994:, Im Übrigen bin ich der Meinung, der Mediamil-Komplex (anfangs: Mediaprint) muss zerschlagen werden.‘“ Schon richtig, aber natürlich müsste es heißen „die Mediaprint“.

So viel Zeit hat Fidler nicht, denn hätte er sie, brächte er all die Fakten nicht auf einen Haufen. Einen monumentalen Haufen. In diesem Buch ist alles drin, was hierzulande medial ist oder bloß so tut. Allein der Eintrag „Fellner und Fellnerismus“ umfasst 45 Seiten; dazu kommen noch „Wolfgang Fellner“ und die „Formil-Fusion“. Zu viel der Ehre? Nein, diese Schande musste im Detail festgehalten werden. Haarklein zeichnet Fidler nach, wie es zum skandalösen Urteil des Kartellgerichts kam, das mit seiner Genehmigung dieser Fusion die Pressefreiheit in Österreich einschränkte, indem es die Konzentration förderte.

Wie kann eine Zwergenwelt wie die österreichische Medienlandschaft eine ganze Enzyklopädie wert sein, mit gefühlten weit über 1000 Stichwörtern? (In Wahrheit sind es 988.) Zwerge werfen nicht nur bei tiefstehender Sonne lange Schatten, sie haben auch das Recht, über sich genau Bescheid zu wissen. „Österreichs Medienwelt von A bis Z“ bringt wirklich alles Wissenswerte zu Österreichs Medien.

In diesem Buch stecken mehrere Bücher; über den ORF, Privatradios, die Mediaprint, Medienpolitik, Reichweiten und Werbung. Fidler lässt lieber Fakten sprechen, als selbst satirische Bemerkungen zu machen. Erst so erweist sich die österreichische Medienrealität als die beste Satire auf sich selbst.

Wer sie dennoch ernsthaft diskutieren will, findet hier die faktische Grundlage dafür. Das Buch wird fortlaufend ergänzt und adaptiert, das geschieht auf der zugehörigen Website diemedien.at. Bei der Präsentation fragte ein Besucher, wozu man überhaupt noch ein Buch mache. Ganz einfach: Weil man es kaufen (und verkaufen) kann, weil es Gewicht hat (1085 Gramm), und weil hier die Sammlung eines Medienkundigen genau so vorliegt, wie er sie angelegt hat. Wo Fidler draufsteht, ist Fidler drin. Die Autoren sind noch nicht ausgestorben, und Österreichs Medienwelt hat auch ihre Lichtblicke.

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ÖSTERREICHS MEDIENWELT VON A BIS Z • HARALD FIDLER • © 2008 • 1085 ARTIKEL ONLINE