Gerhard Zeiler (Warner Bros. Discovery)
Inhalt
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Warum ist das wichtig?
- Gerhard Zeiler ist der wichtigste und erfolgreichste Medienmanager aus Österreich, wohl auch bestbezahlter.
- Er ist ab 2025 President of International von Warner Bros. Discovery, sein Vertrag soll bis 2028 laufen. Der Konzern wird 2026 von Paramount übernommen.
- Zeiler führte ab 1998 den größten deutschen Privatsender RTL, ab 2005 die europäische RTL Group und war damit auch Vorstand des Mutterkonzerns Bertelsmann, des größten europäischen Medienkonzerns.
- 1994 bis 1998 führte Zeiler als Generalintendant den öffentlich-rechtlichen ORF, seine professionellen, aber auch als kommerziell kritisierten Umbauten in TV und Radio und die Konzeption von ORF.at prägen Österreichs größten Medienkonzern teils bis heute.
- Gerhard Zeiler gibt im September 2026 via Kronen Zeitung bekannt, dass er den Vorsitz der SPÖ von Andreas Babler übernehmen will.
Wer ist Gerhard Zeiler?
Geboren am 20. Juli 1955 in Wien-Ottakring.
SPÖ und Medien
Zeiler kommt aus einer sozialdemokratisch geprägten Familie, engagiert sich früh in der Partei. Er beginnt Psychologie, Soziologie und Pädagogik zu studieren (sein Zwillingsbruder Helmut bleibt dabei und wird Lehrer). Zeiler arbeitet parallel als Redakteur beim Parteipressedienst SK (Sozialistische Korrespondenz).
Das Studium bricht er ab und wird 1979 Pressesprecher von Unterrichtsminister Fred Sinowatz, und bleibt das, als Sinowatz 1983 in Koalition mit der FPÖ unter Norbert Steger Bundeskanzler wird. Und er bleibt das 1986 noch ein paar Monate bei Kanzler Franz Vranitzky, bis er aus dem Kanzleramt als Generalsekretär zu ORF-Generalintendant Thaddäus Podgorski wechselt. Der hat gerade dank SPÖ-Unterstützung den bürgerlichen ORF-Langzeitgeneral Bacher abgelöst. Zeiler gilt schon 1986 bis 1990 als eigentlicher ORF-Manager.
Privatfernsehen
Als Bacher 1990 ein letztes Mal übernimmt, bot er nach eigenem Bekunden dem roten Zeiler an zu bleiben. Zeiler wechselt lieber als Geschäftsführer zum kleinen deutschen Privatsender Tele 5 des österreichischen Filmhändlers Herbert Kloiber und nach dessen Verkauf und Umbau zum Deutschen Sportfernsehen DSF als Geschäftsführer zu RTL 2. Was er hier lernt, wird er bald auf den öffentlich-rechtlichen ORF anwenden.
ORF-General
Gerhard Zeiler kehrt 1994 als Generalintendant in den ORF zurück, inzwischen regiert die SPÖ mit der ÖVP.
- Seine große Programmreform von März 1995 positioniert die zwei Fernsehprogramme des ORF klar und bis heute prägend in ein jüngeres, internationaleres und von Serien und Sport geprägtes ORF 1 und ein regionaleres, älteres, informationslastigeres ORF 2.
- Aus dem erfolgreichen Frühstart zweier regionaler Privatradios in Steiermark und Kärnten lernt er rasch, dass der ORF-Popsender Ö3 wider Erwarten doch nicht ausreichend auf Konkurrenz vorbereitet ist. Zeiler macht Musikchef Bogdan Roščić zum Senderchef, holt die deutschen Radioberater BCI und macht aus Ö3 für Jahrzehnte uneinnehmbar professionelles Breitenradio.
- Die Werbeeinnahmen des ORF, die nicht zuletzt auf Ö3 fußen, überholen in Zeilers Amtszeit die Einnahmen aus ORF-Gebühren (damals GIS, heute ORF-Beitrag).
- Den ORF-Strategen Franz Manola lässt Zeiler eine Online-Newsplattform konzipieren und in einer Tochterfirma, ausreichend entfernt vom ORF, umsetzen, die den österreichischen Onlinemarkt in ihrer schlichten Übersichtlichkeit über Jahrzehnte dominiert. ORF.at startet am 25. Juli 1997 ORF.at. ORF.at ist auch 2025 die weitaus größte österreichische Newsplattform.
- Detail: Sozialdemokrat Zeiler bricht auch mit unseligen ORF-Traditionen: Zwei Betriebsräte im ORF-Aufsichtsrat (damals Kuratorium) stimmen für Zeiler und erwarten dafür Positionen in der Geschäftsführung – Gerd Bacher etwa schaffte zwei Comebacks dank Betriebsräten im ORF-Kuratorium. Zeiler lässt sie mithilfe der ÖVP in dem Glauben – und schlägt andere vor.
- Zeilers ORF kooperiert eng mit (Gerd Bachers Erzfeind) Hans Dichand und seiner Kronen Zeitung, aber auch mit den Brüdern Fellner (News, TV-Media). Damit sie News ab Start massiv im TV bewerben können, kippt Zeiler eine langjährige Vereinbarung mit dem Zeitungsverband VÖZ über einen Verzicht darauf.
Europas größte TV-Gruppe RTL
Zeiler ist bei seinem – professionellen, aber auch kommerziellen – ORF-Umbau so erfolgreich, dass ihn Bertelsmann noch während seiner Amtszeit als ORF-General als Geschäftsführer von RTL Deutschland engagiert, dem größten deutschen Privatsender. Er übernimmt von einem Österreicher – Gründungsgeschäftsführer Helmut Thoma – und holt auch den österreichischen Medienmanager Hans Mahr von der Kronen Zeitung als "Infodirektor" nach Köln.
In der Branche sehr lange 14 Jahre bleibt Zeiler CEO bei Deutschlands größtem Privatsender beziehungsweise ab 2003 vorerst parallel CEO von Europas größter Privatfernsehgruppe RTL Group sowie im Vorstand von Bertelsmann.
Going global: Turner und Warner Bros. Discovery
2012 wechselte Zeiler zum US-Fernsehkonzern Turner (CNN), wo er als President International internationale Aktivitäten rund um den Globus verantwortete. Offenbar mit einigem Erfolg: Über viele Fusionen und Aufspaltungen blieb Zeiler an Bord und in Funktion. 2018 war er Chief Revenue Officer bei Warner Media, ab 2020 President International bei Warner Media.
President International blieb Zeiler auch nach der Fusion mit Discovery zu Warner Bros. Discovery ab April 2022.
Zeilers Vertrag wurde 2025 bis 7. April 2028 verlängert. Als Zeiler 2025 im Standard die Stargehälter des ORF verteidigt und die ORF-Bezüge als eher moderat im internationalen Vergleich mit öffentlich-rechtlichen, aber weit unter privaten Medien einordnet, stöbert Horizont-Kollege Stefan Binder in Aktionärsinfos nach Zeilers Bezügen bei Warner Bros Discovery. Ergebnis: 13,2 Millionen Euro. Von rund 14,8 Millionen Dollar im Jahr kommen 1,877 Millionen Dollar aus dem Basisgehalt, der große Rest leistungsabhängige Bonuszahlungen in Geld und vor allem Aktien sowie Kompensationen für Zeiler, der seinen Wohnsitz in Salzburg hat, die Konzernzentrale aber in New York.
Mit der Aufspaltung des Konzerns in Warner Bros. und Discovery Global wird Zeiler 2025 President USA, UK, Germany, Discovery+ und Chief Content Officer bei Discovery Global.
Mit dem Verkauf von Warner Bros. Discovery 2026 an Paramount kann Zeiler laut Wall Street Journal, Financial Times und manager magazin mit mehr als 100 Millionen Dollar aus Aktienansprüchen und Abfertigung rechnen. Er kommentiert die Zahl nicht, Menschen mit Einblick sprechen von zu hoch gegriffenen Angaben. Andere Quellen sprechen von rund 83 Millionen US-Dollar Abfertigungsansprüchen. 11 Millionen Dollar aus Aktienansprüchen hat Zeiler laut FT Anfang März 2026 bereits zu Geld gemacht.
Beinahe wieder ORF, beinahe SPÖ-Chef
2010 ließ Zeiler seine Bereitschaft erkennen, noch einmal den ORF als Generaldirektor zu führen. Doch Werner Faymann schien lieber keine potenzielle Konkurrenz für Parteiführung und Kanzleramt nach Wien zurückholen zu wollen. Faymann wollte den damals in Programm wie Finanzen schwer unter Druck geratenen ORF-General Alexander Wrabetz aber gegen einen Vertrauensmann aus dem ORF einwechseln – der aber lieber Radiodirektor wurde als ORF-General. Also blieb Wrabetz 2011 doch ORF-Chef, unterstützt von der SPÖ-Fraktion im ORF-Stiftungsrat. Zeiler winkte ab mit der Erklärung, er wolle die SPÖ mit einer Bewerbung für den ORF nicht spalten.
2016 wäre Zeiler beinahe doch noch SPÖ-Chef geworden. Er ließ Christian Kern schließlich den Vortritt bei der Nachfolge Werner Faymanns an der Parteispitze und verzichtete auf eine Kampfabstimmung. Kern habe die Unterstützung der gesamten Partei, also auch seine, sagte Zeiler damals. Kern und die SPÖ unterlagen wenig später dem ÖVP-Phänomen Sebastian Kurz, der den Boulevard hemmungsloser zu gewinnen wusste.
Ernste Ambitionen auf SPÖ-Vorsitz
Im September 2026 gibt Zeiler via Kronen Zeitung bekannt, dass er Vorsitzender der SPÖ werden will. Amtsinhaber, Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler will die Position nicht so einfach aufgeben.
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Updates
Via Interview mit der noch immer reichweitenstarken Sonntags-Krone macht Österreichs internationalster Medienmanager Gerhard Zeiler seine Ambitionen auf den Parteivorsitz der SPÖ offiziell. Das Interview erscheint am 27. September 2026, schon am Freitag davor bringt das Medium Auszüge.
Amtsinhaber und Vizekanzler Andreas Babler will seine Position halten. Wenn sich daran nichts ändert, zeichnet sich eine sogenannte Kampfabstimmung ab. Bis dorthin dürften einige Monate Machtkampf in der SPÖ ins Land ziehen. Das beansprucht Zeit und Aufmerksamkeit Bablers.
Medienpolitische To-Do-Liste
Babler ist auch Medienminister, und da sind gerade einige für die Medienbranche wesentliche Vorhaben offen:
- ORF-Gesetz (Gremienreform, Auftrag und digitale Möglichkeiten, Kooperation mit privaten Medien)
- Zustellförderung (neue Vertriebsförderung Zeitungen, Zeitschriften, geplant 22,5 Millionen Euro jährlich)
- Verlängerung Digitaltransformationsförderung (geplant 22,5 Millionen Euro jährlich)
- Medienkompetenzförderung und Förderung journalistischer Medienangebote für junge Menschen (neu, geplant 3 und 7 Millionen Euro)
Update: Könnte sein, dass die nach der Begutachtung leicht überarbeitete Zustellförderung in Woche 40 in den Ministerrat kommt, höre ich.
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