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ORF – Österreichs weitaus größter, öffentlich-rechtlicher Medienkonzern

Der ORF ist Österreichs weitaus größter Medienkonzern, großteils finanziert aus verpflichtenden ORF-Beiträgen. Das Unternehmen dominiert Österreichs Medienmarkt in TV, Radio sowie – unter heimischen Playern – Online und im Streaming. Als öffentlich-rechtliches Unternehmen steht er unter öffentlicher Kontrolle. Er ist laut Verfassungsgesetz unabhängig, sein oberstes Entscheidungsgremium Stiftungsrat wird aber großteils (partei-)politisch besetzt.
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Autor:in
Harald Fidler
Zuletzt aktualisiert
September 7, 2026

Warum ist das wichtig?

  • Der ORF prägt für einen großen Teil der Bevölkerung das Bild von der Welt wesentlich mit.
  • Rund 29 Prozent der Menschen ab 12 Jahren, Kinder nicht eingerechnet, erreicht der ORF täglich mit zumindest einem seiner Angebote – von Ö3 bis ZiB Tiktok, von Bundesland heute bis FM4, von Ö1 bis zur TVthek (Stand 2025).
  • Zeit im Bild mit ihrem Millionenpublikum und ZIB2 sind die weitaus meistgenutzten TV-Nachrichtensendungen des Landes. Morgenjournal und Mittagsjournal auf Ö1 sowie ORF.at prägen ebenfalls die politmediale Agenda.
  • Zugleich besetzen Regierung, Landesregierungen, Parteien und Bundeskanzleramt die große Mehrheit in den ORF-Entscheidungsgremien, die wiederum die ORF-Führung bestellen.
  • Verfassungsgesetz Rundfunk, ORF-Gesetz, Programmrichtlinien, Redaktionsstatut und gemeinhin wehrhafte Redaktionen sichern unabhängige Berichterstattung. Persönliche Karrierehoffnungen aber können dieser Unabhängigkeit im Wege stehen.
  • Der ORF ist wirtschaftlich fast doppelt so groß wie das größte private Medienhaus (Red Bull) und etwa so groß wie die vier größten klassischen privaten Medienhäuser zusammen.
  • Mehr als zwei Drittel der ORF-Umsätze kommen aus dem seit 2024 verpflichtenden ORF-Beitrag von praktisch allen Haushalten und Firmen.

Hier erkläre ich den ORF, und was ihn ausmacht, möglichst rasch und in großen Zügen. Er liefert das aus meiner Sicht Wichtigste zu diesem öffentlichen österreichischen Medienriesen. Viele Details zum ORF und zum Markt liefern weitere Beiträge, zu denen ich im Text verlinke und auf die ich unter relevante Artikel unten verweise.

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Der Riese ORF in Österreichs Medienmarkt

Europäische Größe. Der ORF ist nicht nur der weitaus größte Medienkonzern Österreichs. Er zählt auch zu Europas größten öffentlich-rechtlichen Rundfunkunternehmen. Platz 10 der höchsten Öffi-Einnahmen unter Europas Anstalten und Rang sieben in der Länderwertung. Und relativ hohe Anteile kommerzieller Einnahmen am Gesamtbudget im Europavergleich.

Der ORF ist so groß wie die sechs größten Zeitungsverlagshäuser Österreichs, fast doppelt so groß wie die Nummer 2 Red Bull Media House, größer als alle privaten Rundfunker zusammen.

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Wozu öffentlich-rechtlicher Rundfunk, wozu ORF, warum ORF-Beitrag?

Die Idee: 
Eine Gesellschaft leistet sich ein Medienunternehmen im gemeinsamen Interesse, mit definierten öffentlichen Aufgaben im Dienste möglichst aller. Eine gemeinsam finanzierte Institution auch für bestmöglich geprüfte Information in Zeiten gezielter Desinformation.



Widerspruch: 
Das kollidiert mit öffentlicher Kontrolle, die viele Regierende als Einflussmöglichkeit missverstehen – und im Eigeninteresse nützen.


Spannungsfeld zudem: 
Der ORF argumentiert, er müsse möglichst breit Programm für alle machen, weil ja alle dafür ORF-Beitrag zahlen (sollen).


Gegenposition etwa von Privatsendern: 
ORF-Beitrag soll es nur für Angebote geben, die der Markt nicht hervorbringt oder nicht finanzieren kann.

Zahlungsbereitschaft: Öffentliche Finanzierung des ORF regt jedenfalls einen Teil der Bevölkerung massiv auf. Seit Anfang 2024 wird ein neuer ORF-Beitrag unabhängig von der Nutzung fällig (wie in Deutschland schon seit 2013 und inzwischen auch in der Schweiz). Ausnahmen für Streamingnutzung wie bei der GIS waren laut Verfassungsgerichtshof verfassungswidrig.

Die Nutzungszahlen von ORF-Angeboten deuten allerdings darauf hin, dass eine große Mehrheit der Bevölkerung ORF-Programme nützt. Der ORF spricht hier 2024 von täglich rund 85 Prozent der Menschen jenseits des Kindesalters.

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Wer im ORF entscheidet

Oberstes Entscheidungsgremium ist der Stiftungsrat.

Der Stiftungsrat bestellt für fünf Jahre ORF-Generaldirektor:in, Direktor:innen und Landesdirektor:innen mit einfacher Mehrheit. Er trifft grundlegende unternehmerische Entscheidungen, das Management braucht jährlich seine Zustimmung zu Budget und Programmschemata. Der Stiftungsrat beschließt auch die Höhe des ORF-Beitrags ab 2030, wenn es den dann noch gibt.

Wer ist der Stiftungsrat? 35 Stiftungsräte entscheiden laut Gesetz unabhängig von den Entsendern, sie organisieren und besprechen sich aber in parteipolitischen Fraktionen. Alle vier Jahre entsendet die Bundesregierung 6 Stiftungsräte, 9 schicken die Bundesländer, 6 die Parteien im Nationalrat, 9 der ORF-Publikumsrat, 5 der ORF-Betriebsrat. Tagt üblicherweise viermal im Jahr, für 50 Euro monatlich Aufwandspauschale und 100 Euro Sitzungsgeld.

Den ORF-Publikumsrat besetzt die Bundesregierung zur Hälfte aus Vorschlägen gesellschaftlicher Organisationen, die andere Hälfte beschicken Kammern und ÖGB, katholische und evangelische Kirche, Akademie der Wissenschaften, Dachverband der Sozialversicherungsträger und Parteiakademien direkt.

Rascher Umbau vor Sommer 2025. Die Dreierkoalition von ÖVP, SPÖ und Neos beschließt im März 2025 einen kleinen Umbau der Gremien samt Neubesetzung vor Sommer 2025. Das bietet eine Gelegenheit, die ORF-Gremien vor der Bestellung der nächsten ORF-Führung ab 2027 im Sommer 2026 noch rasch nach neuen Regierungsverhältnissen umzubesetzen. Im Frühjahr 2026 wären Publikumsrat und Stiftungsrat aber ohnehin neu zu bestellen gewesen.

Eine größere Reform des ORF und auch seiner Gremien kündigt die Dreierkoalition danach an.

Mehrheiten 2026. Der Stand im Generalswahljahr: Zwei (etwa gleich) große Fraktionen der Regierungsparteien ÖVP und SPÖ, je drei Mandate haben Neos und FPÖ beschickt, eines die Grünen, mehrere als unabhängig eingeordnete Räte.

Mehr unter ORF-Stiftungsrat.

ORF-Generaldirektor:in ist Alleingeschäftsführer:in mit Personalhoheit

Der ORF-Generaldirektor oder die Generaldirektorin wird vom Stiftungsrat für fünf Jahre bestellt, mit einfacher Mehrheit. Der General oder die Generalin entscheiden über jede Besetzung unterhalb der Direktorinnen und Landesdirektoren (die schlägt er oder sie dem Stiftungsrat vor). ORF-Generale sind Alleingeschäftsführer des Medienkonzerns.

Roland Weißmann führte den ORF von 2022 bis zu seinem Rücktritt am 8. März 2026. Eine Mitarbeiterin wirft ihm Fehlverhalten im Jahr 2022 vor, legt den Vorsitzenden von Stiftungs- und Publikumsrat Dokumente dazu vor. Sie verlangt seinen sofortigen Rücktritt. Weißmann bestreitet die Vorwürfe, tritt aber zurück.

Radiodirektorin Ingrid Thurnher führt den ORF ab 12. März bis 31. Dezember 2026 als Generaldirektorin.

Clemens Pig, bisher APA-CEO, wird mit 1. Jänner 2027 ORF-Generaldirektor.

Die ORF-Führung ab 2027

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Was gesendet und publiziert wird, entscheiden ...

Laut Bundesverfassungsgesetz Rundfunk, ORF-Gesetz, Programmrichtlinien, ORF-Ethikkodex und Redaktionsstatut entscheiden Journalistinnen und Journalisten eigenständig und unabhängig über die Gestaltung ihrer Beiträge.

  • Aber: Die Sendungsverantwortlichen beziehungsweise Chefredakteure und Chefredakteurinnen entscheiden, ob die Beiträge auch gesendet oder publiziert werden.
  • Aber: Über die Budgets für Sendungen, Redaktionen, Abteilungen, Produktionen entscheiden letztlich ORF-General und Stiftungsrat.
  • Aber: Über jede Besetzung vom Redakteur bis zur Führungskraft entscheidet der ORF-General.

Die Geschichte des unter politisch besetzter Aufsicht stehenden ORF ist eine lange Geschichte politischer Einflussnahmen oder Einflussversuche auf den ORF, seine Berichterstattung und vor allem auf seine Besetzung vom General abwärts bis in die Redaktionen.

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Was der ORF alles tun darf und tut

Was der ORF tun darf, regelt das ORF-Gesetz. Öffentliche Mittel darf er nur für öffentlich-rechtliche Aufträge verwenden, die das Gesetz recht umfangreich und teils recht allgemein vorgibt – von vielfältiger, unabhängiger Information bis Unterhaltung, Kultur, Sport und vieles mehr. Aufgelistet im ORF-Gesetz ab Paragraf 3, grundsätzlich in Paragraf 4, der den "öffentlich-rechtlichen Kernauftrag" definiert.

Der ORF darf und tut eine ganze Menge:

  • Online: ORF.at Textberichterstattung beschränkt das ORF-Gesetz etwa für News. ORF.at ist weitaus größtes Newsportal Österreichs. Hier gibt es Nutzungsdaten.
  • Streaming: ORF On Der ORF betreibt seit 2024 eine neue Streamingplattform namens ORF On, die die TVthek ablöste. Nutzungszahlen veröffentlicht er in den ersten Monaten nicht (oder nur indirekt ableitbar). Noch ohne Prüfverfahren der Medienbehörde mögliche Streamingproduktionen sind etwa Nachrichtensendungen für ORF On (bis zu 80 von bis zu 20 Minuten pro Woche); Breitensport; einen  Kinderkanal (ORF Kids) via Streaming schreibt das ORF-Gesetz ab 2024 vor. Hier gibt es Nutzungsdaten.
  • Social: Der ORF betreibt insbesondere mit seiner Nachrichtenmarke ZIB relevante Angebote auf Instagram, Tiktok und Youtube.
  • TV: Rund ein Drittel Marktanteil beim Gesamtpublikum mit: ORF 1 (jünger positioniert, Show, Film, Serie, Sport), ORF 2 (älter, regionaler, Information, Doku, Service, Fernsehfilm, Serie, Volksmusik), dem Spartensender ORF 3 (der ORF schreibt den Sendernnamen: "ORF III Kultur und Information") und bis 2026 ORF Sport Plus. Hier gibt es Nutzungsdaten.
  • Radio: Fast zwei Drittel Marktanteil beim Gesamtpublikum mit: Ö3 (kommerziell geführtes Popradio, rund ein Drittel Marktanteil beim Publikum unter 50, spielt mehr als 55 Millionen Werbung ein); Ö1 (Information und Kultur); Radio Wien bis Radio Vorarlberg (neun älter positionierte Regionalradios), FM4 (Alternative). Hier gibt es Nutzungsdaten.
  • Print: Der ORF gibt ein Monatsmagazin namens ORF Nachlese heraus, im weiteren Sinne programmbegleitend. Hier gibt es Nutzungsdaten.

Der ORF hat unter anderem Tochterunternehmen für

  • Werbe- und Programmvermarktung des ORF: die ORF Enterprise.
  • Sendernetz, Satellitenverbreitung, terrestrisches Digital-TV DVB-T2, Digitalradio DAB+ für ORF und Private: die ORS (gehört zu 60 % dem ORF und zu 40 % Raiffeisen).
  • Gebühren/ORF-Beitrag: Die OBS (ORF Beitrags Service) hebt seit 2024 den ORF-Beitrag ein, bis Ende 2023 die GIS.

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ORF in Daten

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Woher kommt das Geld im ORF?

Der ORF ist mit rund 1,1 Milliarde Euro Einnahmen der weitaus größte Medienkonzern in Österreich.

Rund zwei Drittel davon kommen aus den ORF-Beiträgen LINK. Der ORF verbucht die ORF-Beiträge ab 2024 nicht als Umsatz, sondern eigene Kategorie der Einnahmen. Der ORF-Beitrag ist auch politisch umstritten (die FPÖ will ihn abschaffen und den ORF aus dem Bundesbudget finanzieren).

Etwa ein Fünftel der ORF-Einnahmen kommt aus Werbung und Sonderwerbung.

Der Rest kommt im Wesentlichen aus sonstigen Einnahmen wie Lizenzerträgen, Programmverwertung, Produktionskostenzuschüssen, öffentlichen Subventionen abseits des ORF-Beitrags, Verkaufserlösen.


Aktuelle Daten dazu findest du im Übersichtschart ORF in Daten oben.

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Wohin geht das Geld im ORF?

Was tut der ORF mit mehr als einer Milliarde Euro Einnahmen? Hier findest du einen groben Überblick über Personalkosten, direkte Programmkosten, Budgets für Sender und Genres.

Die Zahlen überschneiden einander teilweise – auch Sender haben natürlich Personal und damit Personalkosten.

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ORF-Finanzen im Europavergleich

Wie liegt der ORF mit seinen Einnahmen unter Europas Anstalten, wie liegt Österreich in der Länderwertung der EBU, der europäischen Rundfunkunion?

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Was im ORF ansteht und was immer wieder kommt – die ORF-Agenda

Stand: September 2026.

ORF-Beitragserhöhung Spätestens alle fünf Jahre muss der ORF berechnen, ob er mit den Einnahmen aus den ORF-Beiträgen (OBS, früher GIS) noch den vom Gesetz vorgegebenen öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllen kann. Immer eine Frage der Berechnung. Der ORF-General oder die Generalin beantragen eine neue Höhe, der ORF-Stiftungsrat beschließt sie (der ORF-Publikumsrat kann das wenige Wochen verzögern), die Medienbehörde prüft die Rechtmäßigkeit.

Bis 2029 fixiert das ORF-Gesetz inzwischen Beitragshöhe (15,30 Euro) und Höhe der Einnahmen aus dem Beitrag mit 780 Millionen Euro..

ORF-Stiftungsrat, ORF-Publikumsrat Alle vier Jahre sind der ORF-Publikumsrat (Kirchen, Kammern, Kanzleramt) und der ORF-Stiftungsrat (Bundesregierung, Bundesländer, Parteien, Publikumsrat, ORF-Betriebsrat) neu zu beschicken.

Mit Ende März 2025 hob der Verfassungsgerichtshof einige Bestimmungen über die Bestellung von ORF-Stiftungsräten als verfassungswidrig auf. Mit einer ORF-Novelle im März 2025 ändern ÖVP, SPÖ, Neos die Besetzung nach Minimalanforderungen des Höchstgerichts und besetzen gleich Stiftungsrat und Publikumsrat vor Sommer 2025 neu – damit werden SPÖ und ÖVP im Stiftungsrat etwa gleich stark wie schon bis 2017. Mehr unter ORF-Stiftungsrat.

ORF-General, Direktorinnen, Landesdirektoren Alle fünf Jahre bestellt der ORF-Stiftungsrat mit einfacher Mehrheit einen Generaldirektor oder eine Generaldirektorin.

Neue Regierungen und Gremien-Bestellungsregeln, wie 2025 vom Höchstgericht verlangt, waren schon mehrfach ein Anlass, auch das ORF-Management ganz oder teilweise neu zu bestellen. Vorzeitig abgelöste Amtsinhalber:innen sind dann freilich für die volle Funktionsperiode auszuzahlen.

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