Nov 6, 2026

Was laut Rechnungshof bei der Wiener Zeitung falsch lief

Der Rechnungshof kritisiert freihändige Boni und Auftragsvergaben, fehlende Strategie und Organisation. Die neue Geschäftsführung betont, sie habe den Großteil der Empfehlungen schon umgesetzt und arbeite weiter daran.
Autor:in
Harald Fidler
Zuletzt aktualisiert
November 8, 2026

Der Rechnungshof veröffentlicht am 6. November 2026 seien Prüfbericht über die staatliche Wiener Zeitung, insbesondere über die Neuausrichtung zwischen 2020 und 2024. 2023 wurde die gedruckte Tageszeitung eingestellt, online das neue Medium WZ.at konzipiert.

Simon Kravagna, ab August 2026 Geschäftsführer, hat schon zuvor angekündigt, die Anregungen des Rechnungshofs umzusetzen, den Großteil der Kritikpunkte habe man bereits bereinigt. Die WZ dokumentiert die Umsetzung auf ihrer Website hier.

Die Kritikpunkte, grob umrissen, an der Geschäftsführung (bis Frühjahr 2026 Martin Fleischhacker), und dem Eigentümer Bund (ressortzuständig bis Frühjahr 2025 das ÖVP-geführte Bundeskanzleramt, ÖVP-geführt):

  • Die Republik als Eigentümer (bis Frühjahr 2025 Bundeskanzleramt, ÖVP-geführt) hat dem Medium keine Strategie und den Auftrag nicht klar genug vorgegeben.
  • "Risiko der unmittelbaren staatlichen Einflussnahme", auch in der Redaktion; keine ausreichende Absicherung im Gesetz.
  • Die Aufgabe als – weisungsgebundene – Förderstelle für Medienstartups hinterfragt der Rechnungshof.
  • Die Geschäftsführung änderte die definierte Zielgruppe von WZ.at, ohne den Aufsichtsrat zu informieren.
  • Für WZ.at kaufte das Unternehmen mangels eigenem Knowhow Dienstleistungen 2,24 Millionen Euro zu (Videocontent für Social Media von Hashtag Media). Die WZ habe sich "stark abhängig" gemacht von dem Zulieferer und habe "das erforderliche Fachwissen verspätet aufgebaut". Den Auftrag erteilte sie laut Rechnungshof nicht nach vergaberechtlichen Bestimmungen.
  • Der Rechnungshof kritisiert rund 820.000 Euro für Werbung in Sozialen Medien, davon 87 Prozent an ausländische Plattformen. (Vom neuen Geschäftsführer Simon Kravagna 2026 gestoppt.)
  • Zwei Prokuristen erhielten Bezüge nahe Geschäftsführer, der Prämien genehmigte, obwohl Ziele nicht erreicht wurden.
  • Die Wiener Zeitung Gmbh habe nicht geschafft, eine funktionstüchtige Personalverrechnung aufzubauen. Nach Fehlern in der Stammdatenerfassung habe man einen externen Dienstleister mit der Aufarbeitung beauftragt – Kosten: 280.000 Euro. Während der Prüfung des Rechnungshofs fielen Nachzahlungen von 1,1 Millionen Euro wegen der fehlerhaften Personalverrechnung an.
  • Die Leistungsvereinbarung zwischen Wiener Zeitung GmbH und ihre Tochterfirma Wiener Zeitung Digitale Publikationen GmbH habe der Geschäftsführer (in Doppelvertretung) verspätet dem Aufsichtsrat vorgelegt. "Es bestand das Risiko, dass über die Leistungsverrechnung die Ergebnisse der beiden Gesellschaften verzerrt wurden", heißt es in einer Zusammenfassung des Berichts des Rechnungshofs. Die Konstruktion bedeutete: "weniger Transparenz und zusätzlichem Verwaltungsaufwand". Der Rechnungshof empfiehlt die Verschmelzung.
  • Kritik am Berichtswesen: "Es war nicht auszuschließen, dass die Mediengruppe ihre Markttätigkeiten teils durch Bundesbeiträge finanzierte."

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November 8, 2026
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