Ingrid Thurnher (ORF)
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Warum ist das wichtig?
- Der ORF ist Österreichs weitaus größter Medienkonzern mit rund 1,1 Milliarden Euro Umsatz, der Großteil aus ORF-Beiträgen. Und der ORF steht als öffentlich-rechtliches Unternehmen unter öffentlicher Kontrolle – und unter besonderer Aufmerksamkeit der jeweiligen Regierungspolitik.
- 2026 wird die nächste ORF-Führung bestellt – Generaldirektor:in, Zentraldirektor:innen, Landesdirektor:innen und mehr. Häufig folgen den Besetzungen im Direktorium auch andere Umbesetzungen.
- 2021 hatten ÖVP und Grüne die Mehrheit, Thurnher kam wie Technikdirektor Harald Kräuter auf einem ÖVP-Ticket ins Direktorium. 2026 sind ÖVP und SPÖ etwa gleich starke, bestimmende Fraktionen im ORF-Stiftungsrat.
- ORF-Generalin. Nach dem überraschenden Rücktritt von Roland Weißmann am 8. März 2026 führt Thurnher den ORF als interimistische Generaldirektorin, jedenfalls bis Dienstantritt der nächsten Führung ab 2027. Am 12. März wird sie vom Stiftungsrat einstimmig mit der Geschäftsführung betraut. Am 23. April 2026i dürfte sie nach einer nötigen Ausschreibung formell bis Ende 2026 bestellt werden.
- Wenn sich Thurnher im Mai auch für die Amtszeit 2027 bis 2031 bewirbt, dürfte sie gute Chancen auf Wiederbestellung haben. Sie könnte die Funktion theoretisch ja auch nach der halben Amtszeit abgeben. Bestellt wird der oder die General:in ab 2027 am 11. August 2026.
Kontext: ORF
Mehr über Österreichs größten Medienkonzern ORF findest du hier.
Wer ist Ingrid Thurnher?
Geboren am 6. Juli 1962 in Bludenz (Vorarlberg).
ORF-Journalistin. Thurnher kam als TV-Ansagerin 1985 zum ORF, arbeitete 1986 bis 1991 als Redakteurin im Landesstudio Niederösterreich im Akuellen Dienst. Sie moderierte Land und Leute, Österreich-Bild, Österreich heute und Niederösterreich heute. 1991 bis 1994 war sie Politikredakteurin im ORF-Radio.
ZIB 2, ZIB 1, Im Zentrum. 1995 bis 2007 war Thurnher Anchorwoman der ZIB 2, 2007 und 2008 präsentierte sie mit Gerald Groß die ZIB 1. 2008 bis 2016 moderierte sie das ORF-Sonntagsdiskussionsformat Im Zentrum und Runde Tische, 2009 bis 2011 auch die Sommergespräche mit den Parteichefs. Vor der Nationalratswahl 2013 und der Bundespräsidentenwahl 2016 (Alexander Van der Bellen vs. Norbert Hofer) leitete sie die TV-Konfrontationen. Von Ende September 2009 bis Ende Juni 2010 kehrte sie als Bildungskarenzvertretung von Armin Wolf in die ZIB 2 zurück.
Ein Business-MBA-Programm absolvierte Thurnher berufsbegleitend.
ORF-Radiodirektorin. Die Regierungskoalition von ÖVP und Grünen ab 2020 hat in Sidelettern vereinbart, wer welche ORF-Führungsposition bestimmen darf. Die ÖVP, damals mit alleiniger Mehrheit im Stiftungsrat, bestimmt den ORF-General (Roland Weißmann) sowie Radio- und Technikdirektion (Ingrid Thurnher und Harald Kräuter). Die Grünen schlagen Eva Schindlauer als Finanzdirektorin und Stefanie Groiss-Horowitz als Programmdirektorin vor.
Formal schlägt der Generaldirektor Direktor:innen und Landesdirektor:innen dem Stiftungsrat vor. Gewählt wurde Thurnher im September 2021 mit dem übrigen Direktorium von allen Stiftungsräten mit Ausnahme der FPÖ-nahen Mitglieder.
Schon Thurnhers Vorgängerin als Radiodirektorin, die langjährige FM4-Chefin Monika Eigensperger, hatte eigentlich den Auftrag, sich selbst abzuschaffen in Zeiten des Streamings und starker Senderchefs.
Thurnher widmet sich etwa besserer Abstimmung und Positionierung von Ö3 und Bundeslandradios (für die die Landesdirektor:innen zuständig sind) sowie FM4 und Ö1. Die (neuen) Senderchef:innen von Ö3 (Michael Pauser), FM4 (Doroteja Gradištanac) und Ö1 (bis Anfang 2025 Silvia Lahner) reformieren jeweils ihre Sender unter ihrer Führung.
Generaldirektorin ab 12. März 2026. Nach dem Rücktritt von Roland Weißmann als Generaldirektor wird Thurnher einstimmig vom Stiftungsrat mit der Führung der Geschäfte betraut und voraussichtlich am 23. April 2026 bis Ende 2026 formell bestellt. Ob sie sich auch für die Amtszeit 2027 bis 2031 bewirbt, lässt sie vorerst offen. Die Funktionsperiode wird im Mai 2026 ausgeschrieben.
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Updates
ORF-Generaldirektor Roland Weißmann erklärt am 8. März 2026 um 11.45 den Rücktritt.
Der Anwalt einer ORF-Mitarbeiterin legte den Vorsitzenden der ORF-Gremien am 4. März Dokumente in Bild, Ton und Text aus Kommunikation mit Weißmann vor, die Fehlverhalten Weißmanns im Jahr 2022 dokumentieren sollen. Sie verlangt seinen Rücktritt und den Verzicht auf Wiederbewerbung, andernfalls würden die Dokumente veröffentlicht.
Weißmann tritt in der Erwartung zurück, dass sie mit "aus persönlichen Gründen" kommuniziert würde. Die Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer und Gregor Schütze kommunizieren den Rücktritt am Montag (9. März 2026) mit Hinweis auf "sexuelle Belästigung", die Weißmann entschieden als falsch bestreitet.
Am 12. März 2026 betraut der Stiftungsrat einstimmig Radiodirektorin Ingrid Thurnher mit der Führung der Generaldirektion.
Der Generalsjob wird am 20. März 2026 für die Zeit bis Jahresende ausgeschrieben, dafür kündigt Thurnher eine Bewerbung an. Bestellung im Stiftungsrat: 23. April 2026.
Im Mai wird er für fünf Jahre 2027 bis 2031 ausgeschrieben. Thurnher lässt sich eine Bewerbung offen. Bestellung: 11. August 2026.
Medienminister Andreas Babler (SPÖ) hat sich unmittelbar nach dem Rücktritt Weißmanns für eine Frau an der ORF-Spitze ausgesprochen.
ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti erklärt mir am 13. März 2026, die Kanzlerpartei fände eine Besetzung von außen nun sinnvoll. Er klingt nach: Von außerhalb des ORF, womöglich von außerhalb des Mediensektors.
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