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Tagebuch: Harald Fidlers Notizen über die Medien

Some of the News That's Not (Yet) Fit to Publish: Was Harald Fidler in der Medienbranche erlebt und beobachtet. Nur für Mitglieder und nicht zur Veröffentlichung.
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Autor:in
Harald Fidler
Zuletzt aktualisiert
March 11, 2026

Warum ist das wichtig?

Originelle Opinion Leaderin

März 2026

Ein österreichisches Business-Societyportal zeigt besondere Originalität. Es präsentiert eine Frau als "Opinion Leaderin des Tages", die, nach meinem freilich unbestätigten Informationsstand, wesentlich mit dem überraschenden Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann zu tun haben soll. Wenige Stunden nach dem Abgang des ORF-Chefs und ohne Kontext. Der Titel hat einige Berechtigung in diesen Tagen.

Fellner mag Schlager

März 2026

Den dritten Anlauf versuchen die Fellners nun mit ihrem bundesweiten Radioprogramm. Es ist 2019 als Radio Austria gestartet,  im Mai 2024 machten sie daraus Oe24 Radio umbenannt wurde. Ich höre: Nun soll der Sender ein grundlegend neues Format erhalten – statt Hits seit den 1980ern nun Schlager seit den 1980ern. Zwei Drittel des Programms soll deutschsprachiger Schlager ausmachen, den Rest Schlager instrumental, auf Englisch und in romanischen Sprachen, dazu vielleicht ein paar Oldies, aber nichts Volkstümliches (der Markt ist schon bespielt). Rund ein Drittel des deutschsprachigen Schlagerprogramms sollen österreichische Interpreten füllen. Die Fellners haben einen Antrag auf grundlegende Programmänderung an die Medienbehörde KommAustria geschickt, deren Zustimmung sie brauchen.

Mich erinnert das Format Schlager daran, dass sich Gottfried Zmeck für die bundesweite Radiolizenz interessierte, als der zur Sanierung der Gruppe bestellte Geschäftsführer und Unternehmensberater Andreas Pres 2023 das Radio zum Verkauf ausschrieb. Zmeck ist mit den Fellners lange vertraut und Gründer sowie größter Aktionär der Münchner Mainstream Media, die eine Vielzahl von TV-Sendern von Heimatkanal über Romance TV bis Goldstar TV betreibt. Die Fellners haben den Verkauf 2024 abgeblasen, um den Sender selbst als Oe24 Radio weiterzuführen.

Der Betrieb des bundesweiten Radios soll nun in eine 2025 gegründete Tochterfirma der bisherigen Radiobetreibergesellschaft Oe24 Radio GmbH verlagert werden, die TNR GmbH. Die langjährige Radiogeschäftsführerin Sylvia Buchhammer ist bei Oe24 Radio nicht mehr als Geschäftsführerin eingetragen, dafür neben Helmuth Fellner Niki Fellner. Buchhammer ist aber noch in einigen anderen Fellner-Firmen und -Stiftungen als Geschäftsführerin oder Vorstand eingetragen.

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Krone mag mitspielen

März 2026

Im Oktober berichtete etwa der Standard, dass sich der Kurier zusammen mit dem US-Glücksspielriesen Brightstar und der österreichischen Post für die zur Ausschreibung anstehende österreichische Lotterie-Lizenz interessiert. Schon damals notierte ich in einem diemedien.Update, dass ich höre, auch die Krone hätte gern eine Lizenz.

Nun sagen mir mehrere Quellen: Inzwischen habe Krone-Herausgeber Christoph Dichand sein Interesse bei Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) durchklingen lassen. Interesse an einer Lizenz und den Wunsch, dass es – entgegen den Plänen von Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) – mehrere und nicht nur eine Lotto-Lizenz gebe möge.

Wer die Dichands schon ein bisschen länger beobachtet, erinnert sich etwa

  • an den Zuschlag für die erste private Mobilfunklizenz 1996 an eine Gesellschaft mit Krone-Beteiligung: An max.mobil hielt die Krone 9 %. max.mobil wurde 1999 an die Deutsche Telekom verkauft und heißt längst T-Mobile.
  • an den Zuschlag für ein Konsortium mit Mitgliedern und Stiftungen der Familie Dichand an Bord, als Finanzminister Karl-Heinz Grasser das Auktionshaus Dorotheum 2001 verkaufte, nach dem späteren Befund des Rechnungshofs zu billig.

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Krone-Einspruch

Februar 2026

Warum ist die Komplettübernahme der Kronen Zeitung durch die Familie Dichand eigentlich im Februar 2026 noch nicht im Firmenbuch eingetragen? Im November wurde das Closing des Deals intern kundgetan. Aber nicht nach außen. Und das hat einen Grund.

Johanna Dichand hat nach meinem Informationsstand in letzter Minute Einspruch gegen die innerfamiliäre Lösung erhoben, dass ihre Brüder Christoph und Michael Dichand die Anteile ohne sie zu im November festgelegten Konditionen übernehmen. Damit geht es innerhalb der drei Geschwister wieder um Syndikatsvereinbarungen, um Gewinngarantien innerhalb der Familie und dergleichen. Im Februar gab es nach meinen Infos wieder Verhandlungsrunden, um zu einem neuen Deal zu kommen. 

Einigt man sich nicht, wird der Familienstreit das nächste Schiedsgericht nach Schweizer Recht beschäftigen. Und das dauert erfahrungsgemäß Jahre – und lähmt die Krone und die Mediaprint wohl weiter, zur Freude des Mitbewerbs.

Der Kauf der 50 Krone-Prozente von der Funke-Gruppe soll schon vollzogen und bezahlt sein.

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Zustellförderung auf dem Weg

Februar 2026

Die geplante Zustellförderung für gedruckte Medien könnte nun doch langsam auf den Weg gebracht werden – ich höre im Februar 2026 von Abstimmung in der Koalition. Wenn die geschafft ist, könnte ein Gesetzesentwurf in Begutachtung geschickt werden und zugleich zur nötigen Notifizierung als zulässige Beihilfe an die EU-Kommission. Es geht um 25 Millionen Euro zusätzliche Förderung.

Ich höre danach aber: Der Entwurf liege noch bei Regierungskoordinator Alexander Pröll (ÖVP).

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Mediengipfel mit Konfliktpotenzial

Februar 2026

Am 18. Februar 2026 kommen ORF und Spitzen des Zeitungsverbandes VÖZ zusammen, um sich über medienpolitische Perspektiven auszutauschen. Eine größere ORF-Reform hat die Regierung in ihrem Koalitionsprogramm angekündigt, im Herbst soll es dazu einen Konvent mit Branche und Expert:innen geben. Dort soll es auch darum gehen, was der größte und öffentlich-rechtliche Medienkonzerns ORF für den gesamten Standort tun kann. Laut Regierungsprogramm soll er etwa zu weiter gehenden Kooperationen mit Privaten verpflichtet werden.

Die privaten Medienhäuser drängen auf weitere Beschränkungen von ORF.at, insbesondere etwa Verlinkungen, mit denen der ORF Beschränkungen seines Onlineangebots aus der Sicht der Verlagshäuser umgeht (was der zurückweist). Aus dem Kreis der Verleger kommen, je nach Perspektive, auch Wünsche nach weiteren Beschränkungen regionaler Inhalte, von Podcastangeboten des ORF, oder auch nach einem Aufschlag auf den ORF-Beitrag, der weitere Medienförderungen finanzieren soll.

Solche Gesprächsrunden zur Medienpolitik zwischen ORF und VÖZ gab es schon mehrfach, bisher nach meiner Wahrnehmung ohne greifbare Gemeinsamkeiten.

Update: Der Gipfel verlief offenbar konstruktiver, als er sich angelassen hatte. Man will im Laufe des März gemeinsame Lösungen finden, höre ich.

(Korrektur: Zunächst stand hier 17. Februar, das Treffen war aber für 18. angesetzt.)

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Vorarlberger Osterweiterung, nächste Runde

Februar 2026

Nicht schon wieder: Anfang 2026 dreht das altbekannte Gerücht wieder einmal eine Runde durch die Branche, Russmedia würde die Moser Holding übernehmen. Die Spekulationen nahmen nach dem Wochenende des Hahnenkammrennens Ende Jänner 2026 wieder einmal Fahrt auf. Menschen, die dabei waren, wollen diesmal besonders ernste Mienen bei Menschen mit Einblick in die Moser Holding beobachtet haben.

Verleger Eugen A. Russ, er sitzt schon seit 2005 im Aufsichtsrat der Tiroler Mediengruppe, bleibt bei seiner – alles offen lassenden –Lieblingsformel für solche Anfragen, als ich ihn auf die Gerüchte anspreche: "Sie wissen, dass ich auf Gerüchte grundsätzlich nicht antworte."

Menschen, die Russ gut kennen, können sich einen solchen Deal schon vorstellen. Dagegen spreche, dass inzwischen die in der Gruppe maßgeblich tätigen Kinder ein Wort mitreden würden: der sehr digital (und weniger medial) ausgerichtete Eugen B. Russ und Isabel Russ, die das Mediengeschäft bei den Vorarlberger Nachrichten als Chefredakteurin und Geschäftsführerin managt. Eine Tiroler Tageszeitung nach dem wirtschaftlichen Konzept der Vorarlberger Nachrichten würde wohl eine weiter verkleinerte Redaktion bedeuten.

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ORF-Szenario bürgerlicher Männerverein

Februar 2026

Noch ziemlich genau sechs Monate liegen vor uns, dann bestellen die 35 Stiftungsräte des ORF den nächsten ORF-Chef oder die nächste ORF-Chefin ab 1. Jänner 2027.

Es wird in diesen sechs Monaten noch einiges zu spekulieren geben, bis zur Bestellung der übrigen ORF-Führung am 24. September 2026 noch mehr. Ich würde ja gerne mal eine Art Entscheidungsbaum zeichnen über mögliche Besetzungen von General:innen, Direktor:innen und Landesdirektor:innen nach dem Motto: Wenn der die Funktion bekommt, dann die jene, und so weiter. Vielleicht gleich interaktiv für persönliche Planspiele? Das übersteigt bisher leider meine grafischen Fähigkeiten.

Also nur ein rascher Gedanke zwischendurch: Die drei schon lange als aussichtsreichste Generalsanwärter auf dem Ticket der ÖVP gehandelten Herren könnten ja vielleicht gleich drei Positionen im nächsten Direktorium besetzen. Zum Beispiel Roland Weißmann als General, Alexander Hofer auf seinem mutmaßlichen Lieblingsjob Programmdirektor und Kronehit-Chef Philipp König als Finanzdirektor. Direktionsjobs können ja die Vorstufe für die Generaldirektion beim nächsten Mal sein, möglicherweise in einer anderen Regierungskonstellation.

Die Dreierkonstellation hat aber ein, zwei, drei Haken.

  • Wenn drei Männer diese Positionen besetzen, müssten die Koalitionspartner, insbesondere die SPÖ, für Geschlechterparität im Direktorium sorgen. Derzeit führen unter Weißmann drei Direktorinnen und ein Direktor.
  • Dieser eine Direktor dürfte zudem ein Fixstarter für die nächste Führung sein – Technikdirektor Harald Kräuter, dem zudem auch immer wieder Generalsambitionen nachgesagt werden.
  • Die Programmdirektion ist laut Koalitionsabsprache zwischen ÖVP und SPÖ der SPÖ zugeordnet. Stiftungsratschef Heinz Lederer (SPÖ) versteht sich zwar, wie man hört, sehr gut mit Hofer. Aber ein Bürgerlicher auf einem SPÖ-Direktionsticket würde die SPÖ wohl zumindest die Information in eine Direktion reklamieren, auf die sie das koalitionäre Vorschlagsrecht hat. Bisher ist die Information in der ORF-Generaldirektion angesiedelt.
  • Ob alle Genannten eine solche Konstellation akzeptieren würden, ist mehr als fraglich.

Der bürgerliche Männerverein bleibt also vielleicht nur ein Gedanke zwischendurch.

Lederer wirkt ohnehin so, als wollte er den Koalitionsdeal über die ORF-Nominierungsrechte noch einmal aufschnüren.

Und manche im Stiftungsrat sehen den Alleingang von Kanzler und ÖVP-Chef Christian Stocker mit der Volksabstimmung zur künftigen Wehrpflicht auch als Vorzeichen, dass auch beim ORF nicht alle Koalitionsvereinbarungen halten müssen. Soll heißen: Sie sehen das als Indiz, dass die SPÖ bei der ORF-Wahl Mehrheiten ohne die ÖVP suchen könnte.

Wir haben noch sechs Monate für solche Spekulationen vor uns.

Mal was Neues wäre: Der ORF-General oder die ORF-Generalin kann tatsächlich selbst das aus seiner oder ihrer Sicht beste Team zusammenstellen, um den ORF in eine existenziell herausfordernde Zukunft zu führen.

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Rechnungshof-Prüfung zur Generalswahl

Jänner 2026

Die Mediengeschichte zeigt: Der Rechnungshof prüft den ORF ganz gerne vor der Neubestellung von ORF-Generälen. Am 30. Jänner 2026 bestätigt mir ein Sprecher der Staatsprüfer, dass sie eine Gesamtprüfung des ORF begonnen haben. Das klingt nach besonderem Sinn für Timing und/oder Gemeinheit gegenüber dem amtierenden General, und der Prüfungszeitraum 2022 bis 2025 scheint den Eindruck zu bestätigen: Roland Weißmann hat am 1. Jänner 2022 seinen Job als ORF-Generaldirektor angetreten.

Aber: Ein Prüfungsbeginn erst um den Beginn des Generalswahljahrs bringt zwar zusätzliche Unruhe ins Unternehmen und beschäftigt das Management. Mit einem abschließenden Prüfbericht oder auch nur einem Rohbericht ist vor der Generalswahl am 11. August ziemlich sicher nicht zu rechnen. Leaks aus der Prüfung, womöglich aus dem Unternehmen, sind allerdings nicht auszuschließen.

Zur Gesamtprüfung und zum Prüfschwerpunkt Personaleinsatz könnten die Prüfer Erkenntnisse aus der Prüfung der ORF-Beitragstochter motiviert haben. Mit dem Bericht über die OBS dürfte im Februar oder März 2026 zu rechnen sein.

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Medienabgabe, neuer Anlauf

Jänner, Februar 2026

Eine alte Idee kommt wieder um die Ecke, offenbar angetrieben von den krisenhaften Erscheinungen in der Medienbranche.

Die Idee: Aus dem ORF-Beitrag für öffentlich-rechtliche Medienangebote könnte eine Medienabgabe werden, die mit einem Teil der eingehobenen Mittel auch private Medien unterstützt. Die verweisen schon seit Jahren darauf, dass auch sie Angebote im öffentlichen Interesse haben, öffentlich-rechtlichen Mehrwert also. Damit werden bereits einige Förderungen für private Medien argumentiert, etwa der Privatrundfunkfonds.

Ich krame noch in meiner Erinnerung, wann die Idee in Österreichs Medienbranche aufgetaucht ist. Gefühlt zieht sie seit mehr als einem Jahrzehnt immer wieder ihre Kreise durch Medienbranche und Medienpolitik.

Eine Gelegenheit dafür hätte Ende 2023 die Umstellung auf den ORF-Beitrag geboten. Die damalige Medienministerin Susanne Raab (ÖVP) aber wollte den vom Verfassungsgerichtshof verlangten Abschied von der GIS auf TV- und Radiogeräte Richtung Haushaltsabgabe von allen mit einer Kürzung des Beitrags von 18,59 auf 15,30 Euro pro Monat und Haushalt erleichtern. Allfällig erwarteter Applaus der Zahlungspflichtigen blieb aus.

Die Differenz von 3,29 Euro pro Haushalt hätte sich auch in eine Medienabgabe umleiten lassen zur (weiteren) Förderung privater Medien. 80 Millionen zusätzliche Fördermittel hätte das nach damaligen Berechnungen bringen können.

Im Herbst hunderter Jobkürzungen anno 2025 erinnerten sich Manager der größten Verlagshäuser offenbar wieder an diese Medienabgabe. Nun aber ist der Beitrag schon gesenkt auf 15,30 Euro pro Monat und per Gesetz bis 2029 eingefroren. Das ließe sich mit Mehrheit und ohne Rücksicht auf Wähler:innengrant ändern.

Rein rechnerisch bleiben zwei Varianten, um über diesen Weg Mittel für private Medien zu holen: 

  • eine drastische Kürzung des ORF-Angebotes über laufende Sparprogramme in immer wieder dreistelligen Millionenvolumina über einige Jahre hinaus; oder
  • eine deutliche Erhöhung des Beitrags. Durch die Branche geistern Vorstellungen von einer Erhöhung um deutlich mehr als die 3,29 Euro, die mit der Umstellung per 1. Jänner 2024 weggefallen sind. Ich höre von Ideen bis zu 10 Euro Aufschlag, was mir, wenn monatlich gemeint, aber doch recht gewagt erscheint. Das wären dann 120 Euro pro Jahr mal gut 4 Millionen Beitragshaushalte – also jährlich 480 Millionen. Ich kann mir eine Forderung in der Höhe doch recht schwer vorstellen. Pro Jahr zehn Euro mehr wären 40 Millionen. Weniger als die zwei 2026 geplanten zusätzlichen Förderungen für Zeitungszustellung und Medienangebote für jüngere Menschen mit 55 Millionen Budgetvolumen.

Beides erscheint mir schwer umsetzbar, auch wenn die nächste Nationalratswahl noch weit ist. Aber die Idee eines Aufschlags auf den ORF-Beitrag für private Medienförderung wird von einzelnen Managern durchaus vehement ins Spiel gebracht.

Und das Sperrkonto für höhere ORF-Beitragseinnahmen?

PS: Aus dem privaten Mediensektor erreichte mich nach der Veröffentlichung dieses Tagebucheintrags dieser Denkanstoß: Könnte man nicht Mittel von jenem Sperrkonto für Medienförderungen verwenden, auf das Mehreinnahmen jenseits des jährlichen gesetzlichen Limits für die ORF-Finanzierung aus dem ORF-Beitrag gehen?

Mein erster Gedanke: Die Mittel sind meines Wissens Reserven zum Inflationsausgleich über den jeweiligen Zeitraum, für den die Höhe des ORF-Beitrags festgelegt wird.

Ein sehr sachkundiger Experte sagt mir dazu: Die Mittel auf dem Sperrkonto seien – auch EU-rechtlich – ausschließlich für den ORF zu verwenden. Paragraf 31 (Absatz 20) ORF-Gesetz mache deutlich, dass auf diese Mittel ausschließlich für die Abfederung der Steigerung der Nettokosten des öffentlich-rechtlichen Auftrags zurückgegriffen werden darf.

Wieviel Geld liegt eigentlich auf diesem Sperrkonto? Den Kontostand habe ich noch nicht herausgefunden, aber die Einzahlungen und Auszahlungen der vergangenen Jahre deuten nicht auf viel Kapital hin, um noch eine Medienförderung zu speisen:

  • 2022 gingen 27,6 Millionen auf das Konto,
  • 2023 wurden 12,4 überwiesen,
  • 2024 kamen 25 Millionen dazu,
  • 2025 wurden 1,3 Millionen eingezahlt,
  • 2026 entnimmt der ORF zum Teuerungsausgleich 26,4 Millionen Euro – also die Einzahlungen der beiden vorigen Jahre.

Die Höhe des ORF-Beitrags pro Haushalt ist derzeit laut Gesetz noch bis 2029 eingefroren bei 15,30 Euro. Mit deutlich mehr zahlenden Haushalten oder Firmen ist eher nicht zu rechnen. Ab 2027 darf der ORF aber laut Gesetz jährlich bis zu 35 Millionen zusätzlich aus den Beitragseinnahmen verwenden – insbesondere aus den Mitteln auf dem Sperrkonto.

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Interventionsversuche

23. Dezember 2025

Seltsam, wie die Aussage eines Krone-Journalisten in einem Medienprozess gegen Peter Pilz erst mit Verzögerung eine doch recht große Wucht entfaltet.

  1. Erich Vogl sagt am 18. Dezember 2025 als Redakteur der Kronen Zeitung im Verfahren über Klagen von Polizist:innen gegen Pilz' Recherchen über den Tod des ehemaligen Justiz-Sektionschefs Christian Pilnacek aus. Mein Standard-Kollege Michael Möseneder schreibt am selben Tag über den Prozess ohne seither für Leser:innen wahrnehmbare Reaktion der ÖVP: Vogl (...) "berichtet von erfolglosen Interventionsversuchen durch den damaligen Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) beim damaligen stellvertretenden Krone-Chefredakteur Rainer Nowak. Das sei ihm so weitererzählt worden, bei ihm persönlich habe kein Politiker angerufen". Pilz' Plattform Zackzack berichtet deutlich ausführlicher über Vogls Aussage.
  2. Ich berichte am 23. Dezember, dass die Krone-Führung Vogl am Tag nach seiner Aussage zunächst aus dem Innenpolitikressort abgezogen und inzwischen vereinbart habe, dass man sich einvernehmlich trenne. Krone-Chefredakteur Christoph Dichand, den geschäftsführenden Chefredakteur Klaus Herrmann, die zuständige Betriebsrätin und Vogl selbst habe ich zuvor um Stellungnahme ersucht, aber durchwegs keine Antwort erhalten. Ich berichte mit distanziertem Verweis auf die Aussagen Vogls laut Standard-Bericht und verweise, ohne Zitierung, auch auf Zackzack.
  3. Wenige Stunden nach Veröffentlichung melden sich ein aktueller und ein ehemaliger ÖVP-Funktionär beim Standard, bei mir Andreas Hanger, ÖVP-Fraktionsführer im nächsten Untersuchungsausschuss über Pilnacek. Auf Nachfrage und nach Rücksprache erklärt Hanger mir zitierfähig: "Es hat in der Causa Pilnacek nie eine Intervention der ÖVP gegeben. Wer dies behauptet oder in den Raum stellt, wird von uns verklagt." Ich ergänze das Statement.
  4. Ein ehemaliger ÖVP-Funktionär protestiert unterdessen an anderer Stelle. Ich würde aber nicht so weit gehen, das als Interventionsversuch bezeichnen.

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Generalinnen in Seefeld vermisst

5. Dezember 2025

Beim "Mediengipfel", nun in Seefeld in Tirol, klingt ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer auf einem Podium nach Kandidatinnenmodus für die Generalswahl 2026. 2021 hat sie sich schon einmal beworben, für sie stimmten damals im Stiftungsrat drei Blaue, eine Neos und eine Betriebsrätin. In Seefeld sagt Totzauer (ganz am Ende der Paneldiskussion etwa ab Minute 51): Der ORF stehe vor "ganz entscheidenden Jahren" und nun vor einer "Grundsatzentscheidung: Wollen wir in die Zukunft gehen, wollen wir uns verändern, wollen wir in Österreich miteinander arbeiten, wie schaut Journalismus aus? Da kann ich die Veränderung wählen, oder das Gleiche. Es wird eine entscheidende Wegkreuzung sein." Moderator Peter Plaikner fragt noch einmal nach, wo der ORF 2029 stehen wird, und Totzauer antwortet: "Ihr habt die ganze Zeit nur von Kandidaten gesprochen. Das kann damit zusammenhängen, dass ihr nicht Gendern könnt, oder dass ihr wisst...?" (... dass es ein Mann wird, spricht sie nicht zu Ende.)

Ich würde dennoch nicht darauf wetten, dass Totzauer sich 2026 wieder bewirbt. Ich würde eher auf die nächste Generalswahl tippen.

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Westenthaler, Zierhut und der ORF-General

3. Dezember 2025

Beim traditionellen Adventevent des Zeitungsverbandes VÖZ in einem Zelt vor dem Wiener Innenstadtitaliener Regina Margherita stellt sich einer in den Mittelpunkt: ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler (FPÖ), an seiner Seite, wie bei vielen Events: Kathrin Zierhut-Kunz, FPÖ-Hoffnungsträgerin im ORF-Management und derzeit Co-Geschäftsführerin von ORF 3. Westenthaler erklärt an diesem Abend vielen Gesprächspartnern (die das wiederum mir berichten) sehr offensiv, dass ORF-Landesdirektor Alexander Hofer klarer Favorit für die Generalswahl 2026 sei. Mein Eindruck nicht erst an diesem Punkt: Westenthaler fände eine Neuauflage der vielfarbigen "Regenbogen"-Koalition von 2006 gegen die ÖVP charmant – um die Regierungskoalition von ÖVP,SPÖ und Neos zu spalten.

Die ÖVP hat 2025 am Rande des Koalitionsabkommens mit der SPÖ ein Vorschlagsrecht der Volkspartei für den nächsten ORF-General vereinbart. Mit einer (internen) Festlegung der ÖVP auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin rechnen ORF-Kenner erst im Frühjahr oder Frühsommer 2026.

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Die Styria sagt plötzlich ab

12. November 2025

An "Acht Tischen für die vierte Gewalt" wollen Datum-Herausgeber Sebastian Loudon und die Produzentin und Aktivistin Gabriela Bacher am 13. und 14. November 2025 die oft sehr unterschiedlichen Interessen und Player in Österreichs Medienlandschaft zusammenbringen – Herausgeber:innen und Verleger:innen, Manager:innen und Chefredakteur:innen, Journalist:innen, Interessenverbände, Politik (die FPÖ wurde nicht eingeladen), Wissenschaft, Recht, zivilgesellschaftliche Organisationen. Thema: Medienförderungen. Die Debatte in mehreren Runden zeigt, das sehe nicht nur ich unter den Teilnehmenden positiv, grundsätzlich und eher allgemein auf gemeinsame Ziele verständigen. Im Detail wird es dann kontroverser, der Zeitungsverband VÖZ distanziert sich gleich von "Empfehlungen" der Runde.

Die Styria Media Group aber sagt zu meiner Überraschung am Vorabend der Veranstaltung sehr kurzfristig ab und will offenkundig doch lieber nicht dabei gewesen sein. Alle vier angemeldeten Styrianer:innen kommen nicht an die Tische.

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Überraschung über meine Arbeit

8. Oktober 2025

Wenn Journalist:innen überrascht darüber sind, dass ich versuche, journalistisch korrekt zu arbeiten, überrascht mich. Ich habe für den Standard recherchiert und zusammengestellt, wer hinter dem großen Projekt einer Schülerzeitungsplattform namens Campus A College steht, die offiziell mit Schulbeginn 2025/26 gestartet ist. Ich habe dazu einige Fragen an Herausgeber und Verleger Bernhard Salomon (Edition A) geschickt, die er ausführlich beantwortet hat. Menschen aus seinem Umfeld suchten darob besorgt den Kontakt zu mir und erklärten mir ausführlich, wie selbstlos Salomon da nicht agiere. Überrascht hat mich erst ein Anruf nach Erscheinen aus seinem Umfeld: Mit hörbarem Erstaunen wurde mir da mitgeteilt, dass ich "nichts erfunden" und "nichts konstruiert" und nur Zutreffendes berichtet hätte. Diese Überraschung von jemandem aus dem Journalismus hat mich doch überrascht.

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Generals-Probelauf im Stiftungsrat

5. November 2025

Ein möglicher Kandidat für die Generalswahl schnuppert die Luft im Stiftungsrat des ORF, der diesen General am 11. August 2026 bestellen wird. Clemens Pig, CEO der APA, hält eine Keynote beim ersten "Future Day" des obersten ORF Gremiums über KI. Und Pig widmet sich ausführlich der Kooperation unter Medienhäusern, ein Mantra in der medienpolitischen Debatte. Gut möglich, dass Stiftungsratschef Heinz Lederer (SPÖ) Pig eingeladen hat, um ihn als möglichen Generalskandidaten zu positionieren und damit Verhandlungsmasse zu haben, um bei Regierungspartner ÖVP bei der Besetzung der ORF-Direktor:innenjobs und deren Ressorts mehr herauszuholen. Zum Beispiel, um die Information vom ORF-General zu einer künftig SPÖ-geführten Direktion zu holen. Pig hat schon früher Ambitionen anklingen lassen. Ob er sich tatsächlich 2026 bewirbt, ist unklar.

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Ein schwieriger Herbst 2025

20. September 2025

Das wird ein schwieriger Herbst für Österreichs Medienbranche. Die im Frühjahr eingeknickten Werbebuchungen haben sich bisher bei nicht wirklich erholt, höre ich aus der Branche. Die öffentlichen Werbebuchungen sind durch die lange Regierungsbildung und die nötige Budgetsanierung ebenfalls eingeknickt, zeigt eine Serie von parlamentarischen Anfragen der Grünen. In vielen Medienunternehmen sind Sparmaßnahmen Thema.

So ging es weiter: 

Werbebuchungen der Bundesregierung knicken um 80 Prozent ein

Massive Sparmaßnahmen in Österreichs Medienbranche

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Wieder eine Chefin für Ö1?

9. Juli 2025

Gehört, noch nicht geprüft: Als neue Ö1-Chefin wird auf dem Küniglberg über Gabi Waldner-Pammesberger spekuliert. Sie war Radio-Chefredakteurin, mit der Dreier-Chefredaktion über alle ORF-Medien ist die Chefredakteurin für Ressorts. Eine angeblich geplante Ausschreibung gab es jedenfalls bisher nicht. Kurt Reissneger, der Ö1 nach der Pension von Silvia Lahner interimistisch führt, soll noch einmal verlängert worden sein.

Könnte darauf hindeuten, dass die in die Regierung zurückgekehrte SPÖ einen Platz in der Chefredaktion bräuchte. Der neue Vorsitzende des ORF-Stiftungsrats, Heinz Lederer, ist nach meinem Wissensstand etwa ein Fan von Thomas Langpaul, gerade aus Washington zurückgekehrt, wo der frühere Vize-Innenpolitikchef seit 2021 das Korrespondentenbüro des ORF leitete.

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Drastischer Werbeeinbruch im zweiten Quartal 2025

26. Juni 2025

Der Zeitungsverband VÖZ lädt nach der Generalversammlung der großen Lobbyingorganisation österreichischer Verleger zum Heurigenabend nach Grinzing. Mehrere Gesprächspartner aus unterschiedlichen Verlagshäusern berichten mir von Besorgnis erregenden Einbruch der Werbeeinnahmen im zweiten Quartal 2025. Es sehe bei vielen Unternehmen schlechter aus als 2023 – damals strichen mehrere größere Medienunternehmen Jobs in jeweils meist zweistelliger Dimension. Nur bei der Krone scheine es derzeit besser zu laufen, sagt man mir.

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Notariatstermin für "Krone"-Deal abgesagt – aber beim nächsten Mal klappt's

4. Juni 2025

Der Termin beim Notar für die Unterzeichnung des Krone-Deals war schon vereinbart – also für das Signing der Übernahme der 50 Prozent an der Krone von Funke-Gruppe und Signa-Holding durch Christoph Dichand und Michael Dichand. Am Freitag, den 6.6.2025 sollte der seit vielen Monate verhandelte Kauf unterzeichnet werden. Zwei Tage zuvor wird der Termin nach meinen Informationen recht kurzfristig wieder abgesagt – wie schon zumindest ein Signing-Termin Ende 2024. Mutmaßlicher Hintergrund: Dissens unter den drei Krone-Erben.

Update: Deal unterschrieben. Am 11. Juni 2025 unterzeichnet Johanna Dichand, dass sie dem Krone-Kauf ihrer Brüder zustimmt, und laut Trend auf weitere Ansprüche verzichtet. Das dürfte sich allerdings auf Ansprüche an die Funke-Gruppe beziehen. Nach meinen Infos sichern ihr die Brüder eine ähnliche Gewinngarantie wie bisher von der Funke-Gruppe verbürgt ein. Als Größenordnung werden 2,5 Millionen Euro jährlich kolportiert (das wäre etwa ihr Anteil an der höheren Gewinngarantie, solange ihre Mutter Helga lebte.

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"Krone"-Deal zeichnet sich ab

23. Mai 2025

Für Komplettübernahme der Kronen Zeitung soll es einen Signing-Termin geben. Herausgeber Christoph Dichand und sein älterer Bruder Michael Dichand übernehmen offenbar die 50 Prozent, die bisher Funke-Gruppe und die insolvente Signa-Holding hielten. Die Drohung der Funke-Gruppe, ohne Deal die Krone-Gesellschaften mit 30. Juni 2025 zu kündigen, dürfte damit nicht umgesetzt werden. Christoph übernimmt Garantien für seine Schwester Johanna, die den Deal nicht mittragen will, und 12,5 Prozent an der Krone hält. (Infos aus mehreren Quellen, offiziell aber nicht bestätigt.)

Mit dem Deal könnte sich auch personell das eine oder andere bei der Krone tun.

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Verlegerzwist um Vertriebsförderung

18. Mai 2025

Im Resort des Weinunternehmers Scheiblhofer treffen einander die Spitzen der österreichischen Verlagsbranche zur jährlichen Klausur ihres Zeitungsverbandes VÖZ. Eintracht kann man an diesem Wochenende nicht leicht ausmachen. Am Freitag hat Standard-Vorstand Alexander Mitteräcker beim Journalismusfestival Innsbruck die im Regierungsprogramm angekündigte Vertriebsförderung des Bundes sehr kritisch kommentiert als Förderung für die "Distribution toter Bäume".

Die beiden größten Zeitungsverlage und Zeitungsvertriebsorganisationen Mediaprint und Styria haben nach meinen Informationen aus mehreren Quellen ein Modell für diese Vertriebsförderung ausgearbeitet, das den beiden Riesen rund 80 Prozent des Fördervolumens von insgesamt 25 Millionen Euro pro Jahr sichern würde, der Großteil davon würde wiederum an die Mediaprint gehen. Andere Verleger legen sich quer, vor allem Russmedia-Boss Eugen A. Russ soll das Modell sehr kritisch kommentiert haben. Man sucht nun ein anderes Modell, bei dem die Förderung nicht linear mit der Auflage, sondern abgeflacht zunimmt.

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Abgefertigter ORF-Betriebsratskaiser im Stiftungsrat

6. Mai 2025

Politik und ORF vermögen mich doch immer wieder zu überraschen, diesmal mit Anlauf. Ich hatte tatsächlich schon von Gerüchten gehört, dass das Land Kärnten den gerade erst abgefertigten Weißen Elefanten Michael Götzhaber zum ORF-Stiftungsrat machen will. Götzhaber war lange roter Betriebsratsvorsitzender der ORF-Technik, stimmte im August 2011 für die Wiederwahl von Alexander Wrabetz und wurde von Wrabetz im September 2011 als Technikdirektor vorgeschlagen und bestellt. Erst der nächste General Roland Weißmann wird Götzhaber 2022 ablösen und Harald Kräuter die von Stillstand geprägte Technik wieder in Schwung bringen lassen.

Aber tatsächlich: Kärnten schickt Götzhaber, zuletzt als Koordinator der regionalen Technik im Landesstudio Kärnten angesiedelt, in den Stiftungsrat.

Zuvor tat das schon die von einem blauen Landeshauptmann regierte Steiermark: Sie entsandte Thomas Prantner, zuletzt Technik-Vizedirektor und 2022 aus dem ORF ausgeschieden, um Kommunikationsberater zu werden.

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Immer wieder Russ

8. April 2025

Überraschend verlässt Rudolf Schwarz den Vorstand Werbemarkt der Moser Holding, kommuniziert am 8. April 2025 und erklärt mit persönlichen Gründen. Der Rückzug nach eineinviertel Jahren nährt – wie seit vielen Jahren – Gerüchte, Moser-Aufsichtsrat Eugen A. Russ (Russmedia) könnte nun aber wirklich bei Moser einsteigen, in besonders schwierigen wirtschaftlichen Zeiten. In Innsbruck winkt man wieder einmal ab – in den vergangenen Jahren stimmte das bei meinen wiederholten Anfragen.

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20 Millionen mehr?

3. April 2025

Im Ö1 Medienmagazin #Doublecheck erklärt Neos-Mediensprecherin Henrike Brandstötter, die Regierung werde dem ORF nun doch 20 Millionen Euro mehr pro Jahr an Einnahmen aus dem ORF-Beitrag ermöglichen – wenige Tage nach dem Beschluss des ORF-Gesetzes, das die Einkünfte aus der Haushaltsabgabe weitere drei Jahre bis einschließlich 2029 bei 710 Millionen Euro eingefroren hat (unten mehr in diesem diemedien.Tagebuch). Man werde einfach 20 Millionen vom Sperrkonto freigeben, auf dem höhere Einnahmen aus dem Beitrag zu deponieren sind.

Nicht alleine nach meiner Einschätzung braucht es für 730 statt 710 Millionen Euro pro Jahr aber eine neuerliche Änderung des ORF-Gesetzes. Mal sehen.

  • Am 13. Mai 2025 langt tatsächlich eine Regierungsvorlage für ein Budgetbegleitgesetz im Nationalrat ein, die auch eine Änderung des ORF-Gesetzes enthält. Sie soll dem ORF erlauben, 2027 bis 2029 jährlich bis zu 35 Millionen Euro mehr aus Beiträgen zu verwenden. Bedingung: Er muss RSO, ORF 3 und ORF Sport Plus weiterführen. Und 2026 streicht die Republik dem ORF ihren Zuschuss über 10 Millionen Euro für RSO und ORF Sport Plus aus dem Bundesbudget.

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Unvergleichliche Media-Analyse

3. April 2025

Österreichs verlegerische Medienhäuser bereichern die einstige Printreichweitenstudie Media-Analyse um eine weitere Kategorie: Nach der Cross Media Reach (Print und Online, "justiert" an der Österreichischen Web-Analyse (ÖWA)) kommt jetzt die Cross Media Reach + dazu (Print und Online und Newsletter).

Dafür müssen sich Nutzer:innen darauf einstellen, dass die Reichweitenwerte künftig nicht mehr von Jahr zu Jahr vergleichbar sind, sondern nur jeweils über zwei Jahre. Aus Einsparungsgründen – weil immer weniger zahlende Mitglieder – werden ab Mitte 2025 Interviews aus drei Halbjahren in die Werte einfließen und ab Mitte 2026 dann vier, dafür statt 7000 Interviews pro Halbjahr nur noch 3500.

Weil man Datenbestände nicht mit sich selbst vergleichen kann in der Statistik, wird man dann erst die Media-Analyse über das Kalenderjahr 2027 (Jänner bis Dezember) mit den Daten von 2025 vergleichen können. 2028 mit 2026 und so weiter.

Die Entwicklung der Branche kontinuierlich zu dokumentieren, wird jedenfalls nicht einfacher.

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So schnell können 100 ORF-Millionen wieder weg sein

25. März 2025

So schnell können 40 Millionen Euro wieder weg sein: Am 25. März 2025 einigen sich ÖVP, SPÖ und Neos nur wenige Stunden vor dem zuständigen Verfassungsausschuss auf ihre ORF-Novelle, um die Gremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks rasch nach den Anforderungen des Verfassungsgerichtshofs umzubauen. Auf Drängen der ÖVP wird bei der Gelegenheit auch der ORF-Beitrag pro Haushalt weitere drei Jahre bis 2029 auf 15,30 Euro pro Monat eingefroren.

Die drei Parteien haben sich auch auf einen bis zuletzt umstrittenen Punkt geeinigt: Das Limit der Gesamteinnahmen des ORF im Jahresschnitt 2024 bis 2026 im ORF-Gesetz sollte für 2027 bis 2029 auf 750 Millionen Euro angehoben werden. Die Zahl wird Österreich zugespielt, mir beim Standard an diesem Nachmittag der Entwurf mit den 750 Millionen Euro.

Weil Österreich so früh mit Empörung über die Erhöhung hinausgeht, zuckt jedenfalls die ÖVP zurück – und besteht nun darauf, bei 710 Millionen Euro auch für 2027 bis 2029 zu bleiben. Die Variante passiert dann am Abend des 25. März auch den Verfassungsausschuss.

Gut möglich, dass die Veröffentlichung der ÖVP sehr gelegen kam, ihre Position final doch durchzusetzen, dass der ORF auch an dem Punkt zu beschränken ist. Mögliches Ziel neben dem Sparsignal an eine über den ORF-Beitrag nicht nur erfreute Öffentlichkeit: ORF-General Roland Weißmann im Jahr vor der nächsten Generalsbestellung mürbe zu machen.

Für den ORF bedeutet das nach ersten Berechungen über die drei Jahre bis 2029 100 Millionen zusätzlicher Einsparbedarf zu, ebenfalls laut ORF, 220 Millionen durch die Fixierung des Beitrags pro Haushalt. Die ORF-Berechnungen für den Jahresschnitt 2024 bis 2026 kalkulierten schon 2026 mit fast 743 Millionen Einnahmen aus dem Beitrag. Das wäre wegen der geringeren Einnahmen 2024 und 2025 noch im Schnitt geblieben. Die bisherige Kalkulation ab 2027 sprengt diesen Rahmen.

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Wieder eine neue Krone-Frist

23. März 2025

Der Trend berichtete Anfang März äußerst detailkundig über die Auseinandersetzungen in der Familie Dichand über Krone und vielmillionenschwere Kunstsammlung. Schwester Johanna Dichand verlange für ihren Ausstieg aus der Krone Gustav Klimts auf 50 Millionen Euro geschätzte Danae aus der Familiensammlung. Damit wäre ein besonders steuerschonender Kauf der Krone-Anteil der Funke-Gruppe möglich gewesen – laut Trend aber nur bis 10. März.

Der Deal kam nicht zustande, für Plan B soll es nun bis Ende März ernst werden, sagt jedenfalls eine Quelle – also eine nicht sehr gut abgesicherte Info.

Plan B bedeutet, soweit von außen zu erkennen: Johanna bleibt wie ihr Bruder Michael an der Krone beteiligt, die Mehrheit geht an Herausgeber Christoph Dichand, der gegenüber seinen Geschwistern, jedenfalls aber gegenüber Johanna eine Art Gewinngarantie übernimmt. Der Funke-Gruppe (und dem Signa-Insolvenzverwalter) soll Christoph Dichand garantieren, dass Johanna den Deal nicht anficht.

Ich versuche noch herauszufinden, ob der kolportierte Termin stimmt – und hält. Update: Es könnte doch noch dauern. Und welche von mindestens drei Varianten zum Abschied der Funke-Gruppe führt, ist kurz vor Monatsende noch immer recht unklar.

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Auf eine Melange beim Zuckerbäcker

18. Februar 2025, Wien 18, 13 Uhr

Ich besuche das Café Mayer im 18. Wiener Gemeindebezirk. Am Wochenende wird es vom Namensgeber bespielt, da soll er auch anzutreffen sein, wurde mir unter der Woche beschieden, als ich ihn telefonisch im Café erreichen wollte. Ich würde mit Mayer gerne über seine Rolle im Familienzwist bei der Krone reden.

Ein Cafétier in der Wiener Cottage soll eine zentrale Rolle dabei spielen, warum Christoph Dichand den Kauf der 50 Prozent Krone-Anteile der deutschen Funke-Gruppe noch immer nicht unter Dach und Fach gebracht hat.

Dieser Cafétier, Walter Mayer, hat mit Johanna Dichand Ende 2024 eine Firma namens Catomedia GmbH gegründet, für Medienbeteiligungen und Kunsthandel. Johanna hält 100 Prozent. Sie ist zusammen mit Mayer Geschäftsführer:in der Firma, die das Kommentar-Pseudonym von Vater Hans Dichand im Namen trägt.

Johanna und der Zuckerbäcker, so wird er in den Verhandlungen genannt, sollen sich gegen den Kauf der Anteile querlegen, ihrem Bruder Vollmachten entzogen haben. Es dürfte um Geld gehen – mit dem Ausstieg der Funke-Gruppe fällt auch die millionenschwere Gewinngarantie für die Familie Dichand weg.

Mayer ist bei meinem Besuch leider nicht da, ich hinterlasse meine Visitenkarte, bitte um Rückruf, und schicke noch am Samstag ein Mail an seine Mailadresse bei Illy Österreich, die ich noch aufgetrieben habe. Keine Rückmeldung. Am Montag bringe ich dann meine Story über Familienzwist und Zuckerbäcker.

Ein in derselben Woche geplanter Unterschriftstermin zwischen Christoph Dichand und Funke-Gruppe platzt wegen des Widerstands der Zuckerbäcker-Connection.

Ich hatte einen Espresso im Café Mayer, die Melange war nur eine Anspielung auf ein wöchentliches Interview eines Heute-Magazins von Eva Dichand unter dem Titel "Auf eine Melange mit Hans Dichand" mit Eva Dichands Krone-Schwiegervater.

Eva Dichand könnte übrigens bei einem Krone-Deal ihres Mannes etwa in den Aufsichtsrat der Krone einziehen, sagen mit der Materie Vertraute. Eine operative Funktion für sie bei der Krone sehen sie eher nicht. Aber was weiß man schon.

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Gehaltsverzicht bei News oder Schluss mit News

3. Februar 2025

Ich höre erst in den Semesterferien davon, später bestätigen mir das noch mehrere Quellen: VGN-Verleger Horst Pirker hat die schon auf sechs Menschen zusammengeschrumpfte News-Redaktion vor die Wahl gestellt, 2025 auf ein Viertel des Gehalts zu verzichten – oder er müsse das Magazin einstellen. Nicht alle bleiben. Aber die Mannschaft verzichtet tatsächlich auf Gehalt.

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Die neue Gemeinsamkeit von Dichand und Fellner

2. Februar 2025, Wien

Eigentlich wollte ich nur nachsehen, ob Helga Dichands 12,5 Prozent an der Krone schon an Christoph Dichand vererbt sind, und ob bei Heute die Ankündigung gegenüber der Wettbewerbsbehörde inzwischen umgesetzt ist, dass Zeitungsverlag und Onlinegesellschaft der Gratiszeitung verschmolzen werden. Da fällt mir auf, dass Heute und Mediengruppe Österreich eine gemeinsame Firma gegründet haben, also die bisherigen Erzfeinde Eva Dichand und Fellner-Family Gemeinschaftssinn entwickeln.

Die medien-trans Service GmbH gehört zu je 50 Prozent dem Heute-Verlag AHVV und der Mediengruppe "Österreich" GmbH, und sie übernimmt die Belieferung der Entnahmeboxen in Wien, Niederösterreich und Burgenland mit den beiden Gratiszeitungen Heute und Oe24 gemeinsam.

Ihren Firmensitz hat die medien-trans praktischerweise dort, wo die Exemplare hergestellt werden: An der Adresse der Mediaprint-Druckerei in Wien-Inzersdorf, die Krone und Kurier gehört.

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Das Styria-Mastermind zieht sich überraschend zurück

31. Jänner 2025, Graz

Friedrich "Friedl" Santner bestimmte eineinhalb Jahrzehnte die Strategie, Ausrichtung und Besetzung von Österreichs zweitgrößtem Verlagskonzern Styria Media Group um Kleine Zeitung, Die Presse und Willhaben.at. Der Unternehmer (Anton Paar GmbH) war ab 2008 Mitglied, ab Ende 2010 Vize und ab November 2011 Aufsichtsratschef.

Am 31. Jänner, wenige Tage vor Santners 65. Geburtstag, gibt die Styria Santners Rückzug aus dem Aufsichtsrat bekannt. Vize Othmar Ederer (Grazer Wechselseitige) übernimmt kurz nach seinem 74. Geburtstag den Vorsitz.

Der Rückzug "aus privaten Gründen" ist in der Tat sehr privat, wie ich später höre.

Styria-Vorstandsmitglied Bernhard Kiener soll einen besonders guten Draht zu Santner haben, der an Kieners Styria-Engagement wesentlich beteiligt gewesen sein soll.

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Familienzwist auf dem Weg zur Krönung

28. Jänner 2025, Wien

Christoph Dichands Weg zur Mehrheit an der Kronen Zeitung ist kein leichter. Ende Jänner wurde, wie ich höre, wieder einmal ein Unterschriftstermin für die Kaufverträge über die 50 Prozent der deutschen Funke-Gruppe an Österreichs mächtigster Zeitung vertagt.

Mit der Funke-Gruppe soll Dichand sich da schon geeinigt haben – eine Absichtserklärung mit den Eckpunkten eines Verkaufs haben beide Seiten schon im Herbst 2024 unterzeichnet.

Aber: Die Familie legt sich Ende Jänner 2025 quer, jedenfalls nach meinen vorerst unbestätigten Informationen – also Michael Dichand und Johanna Dichand, die jeweils 12,5 Prozent an der Krone halten.

Sie profitieren bisher von der Gewinngarantie der Funke-Gruppe gegenüber den Dichands. Ohne die deutschen Mitgesellschafter ist auch die Garantie weg, die für die Dichands nach dem Tod von Mutter Helga Dichand Mitte 2024 immerhin noch mehr als fünf Millionen Euro pro Jahr wert ist.

Diskutiert wurde offenbar eine neue Gewinngarantie Christoph Dichands und der Krone gegenüber seinen Geschwistern. Aber Johanna und Michael Dichand sollen, so höre ich, auf Auszahlung entsprechender Summen statt einer neuen Gewinngarantie drängen. Kolportiert wird, sie hätten Christoph Dichand deshalb auch die Vollmacht entzogen, für die Familienanteile zu sprechen. Die Familienmitglieder haben jedenfalls nach meinem Wissen eine Syndikatsvereinbarung, die den Geschwistern wesentliche Mitspracherechte in dem Kaufprozess gibt.

Mehr zu den Dichands gibt's hier.

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Blaue Pläne für Ende des ORF-Beitrags budgetär vertagt

13. Jänner 2025, Wien

FPÖ-Chef Herbert Kickl deutet nach einer Einigung mit der ÖVP über den Weg zu einer raschen Budgetsanierung an, dass die blauen Pläne für eine Abschaffung des ORF-Beitrags und die Budgetsanierung ein Stück vertagt werden. Unter sieben Ankündigungen der FPÖ vor der Wahl nennt er auf Platz 6 "eine Reform des ORF".

Aber: "Was sich geändert hat, ist der Zeitplan. Wir müssen uns der Realität stellen. Unser Plan war ja, direkt diese Ziele anzusteuern und zu erreichen, und zwar vom ersten Tag an, schnurgerade. Aber dieser direkte Weg ist jetzt blockiert, er ist verlegt, versperrt, verschlossen durch eine Schuldenlawine." Erst müsse die weggeräumt werden, danach könne man diese Ankündigungen umsetzen. Kickl sagt: "In diese positive Phase treten wir mit immer größeren finanziellen Spielräumen geplanterweise dann schon ab dem Jahr 2026 ein."

Als Kanzleramtsminister in einer FPÖ-ÖVP-Koalition wird in Medienberichten über Reinhard Teufel spekuliert. Der enge Vertraute von Herbert Kickl, gerade Klubobmann der FPÖ in Niederösterreich, könnte damit auch für Medien zuständig werden. Er gilt als harte rechte Hand Kickls. Datum hat ihn hier porträtiert.

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Die Weltrangliste der Pressefreiheit

12. Jänner 2025, Wien, Paris

Die internationale Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen lädt mich seit 2022 jährlich zur Bewertung der Lage der Medien und der Medienfreiheit in Österreich ein. Laut ROG-Österreich-Präsident Fritz Hausjell bin ich einer unter mehr als 50 Medienjournalist:innen, Wissenschafter:innen und anderen Kenner:innen der Branche, deren Beurteilung in die jährliche Weltrangliste der Pressefreiheit einfließt. Ich habe seither mitbewertet. Die Gesamtergebnisse haben mich streckenweise überrascht.

Als Medienredakteur des Standard komme ich nicht umhin, auch über die Ergebnisse dieses Rankings zu berichten, auch wenn ich in den vergangenen Jahren häufiger Kolleg:innen darum gebeten habe. Ich habe die Ergebnisse des Rankings etwa 2024 in meiner Berichterstattung für den Standard kritisch hinterfragt. Ich habe meine Beteiligung an der Bewertung, die grundsätzlich anonym angelegt ist, schon transparent gemacht.

Nun habe ich vor der gerade anstehenden Bewertung über das Jahr 2024 im Jänner 2025 noch einmal gründlicher nachgedacht und Reporter ohne Grenzen mitgeteilt, dass ich mich nicht mehr an der Bewertung beteiligen möchte. Das erscheint mir klarer und schlüssiger.

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Medienfreiheit als rote Linie der Schwarzen

8. Jänner 2025, Wien

Der neue, geschäftsführende ÖVP-Chef Christian Stocker geht in Verhandlungen mit der FPÖ. Als eine Grundbedingung für eine gemeinsame Regierung nennt er am 8. Jänner 2025: "Für das alles braucht es auch eine vielfältige und tatsächlich unabhängige Medienlandschaft." In der Branche wird das als "rote Linie" der ÖVP interpretiert. Stocker hat vor und nach der Nationalratswahl vielfach und kategorisch ausgeschlossen, dass die ÖVP mit einer FPÖ unter Herbert Kickl koaliert.

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Blau-schwarze Aussichten für Medien

5. Jänner 2025, Wien

Erst sprangen die Neos ab, dann die ÖVP, da war die Idee einer Dreierkoalition mit 4. Jänner 2025 Geschichte und auch gleich Karl Nehammer als ÖVP-Chef und Bundeskanzler. Am 5. Jänner geht es schon sehr deutlich Richtung FPÖ und ÖVP. Was bedeutet das für Medien? Ein paar erste Gedanken, eher noch kein umfassendes Bild:

  1. Die FPÖ hat den Wahlkampf 2024 auch mit einer Abschaffung des ORF-Beitrags, deutlicher Kürzung der ORF-Mittel und Finanzierung aus dem Bundesbudget statt aus dem Beitrag geführt. Bei 18 oder mehr fehlenden Budgetmilliarden ist fraglich: Ob und wie gehen sich – auch gegenüber heute 700 Beitragsmillionen gekürzte – 500 Millionen für den ORF aus dem Staatsbudget aus?
  2. Die ÖVP ging in die Koalitionsverhandlungen mit SPÖ und Neos schon mit massiven Einschnitten für den ORF. ORF 3 und ORF 1 verschmelzen, FM4 als Radioprogramm streichen etwa. Und den ORF-Beitrag über 2026 hinaus einfrieren, womit dem ORF pro Jahr eingeplante 57 Millionen Euro fehlten. Das würde laut ORF-internen Berechnungen bedeuten, dass er sich ORF 3, ORF Sport Plus und Radio-Symphonieorchester nicht mehr leisten könne. Und dass er etwa 300 weitere Jobs einsparen müsste, auch in den Landesstudios (dagegen wehren sich Landeshauptleute gemeinhin, die überwiegend zur ÖVP gehören).
  3. Umbesetzung. Massive Kürzungen beschäftigen öffentlich-rechtliche Organisationen, sie erleichtern gezielte personelle Umbesetzungen in Redaktionen. Die ORF-Führung wird regulär 2026 neu bestellt. Der von der FPÖ in den ORF-Stiftungsrat entsandte Peter Westenthaler rechnete schon fix mit einer Neubesetzung parallel zur notwendigen Reparatur der Besetzungsregeln für ORF-Gremien. Die Regeln hat der Verfassungsgerichtshof mit Ende März 2025 als verfassungswidrig regierungsnah aufgehoben. 2019 chatteten FPÖ-Granden von aus blauer Sicht notwendigen "totalen Personalrochaden" im ORF.
  4. Namen. ORF-3-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut ist die blaue Vertrauensfrau im ORF. Ein FPÖ-Kanzler bedeutet große Karriereaussichten. Mit einer blauen Kanzlerschaft könnte etwa Ex-ORF-Manager Thomas Prantner wieder eine Rolle im ORF spielen, zum Beispiel in einem neuen Stiftungsrat. Bei der Generalswahl 2021 erhielt die nunmehrige ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer die blauen Stimmen im Stiftungsrat, nur Norbert Steger stimmte gegen die Parteilinie für Roland Weißmann. Weißmann wurde dank ÖVP und Grünen ORF-General. Die ÖVP wirkt seither eher enttäuscht, dass der ORF dennoch so kritisch über sie berichtet. Mit einer FPÖ-ÖVP-Regierung dürften die Chancen Richard Grasls auf Rückkehr in den ORF deutlich steigen – womöglich als ORF-General. Da würde er allerdings nach bisherigen ORF-Spitzengehältern wohl etwas weniger verdienen als in seinen aktuellen Geschäftsführerjobs bei Mediaprint und Kurier. Vielleicht turnt ja auch bald wieder Philipp Jelinek im ORF (er durfte wegen seiner Chats mit Strache nicht mehr).
  5. Parteimedien. Die FPÖ hat mehrfach gefordert, dass auch alternative Medien Medienförderungen bekommen sollten. Sie hat sich ein Netzwerk von parteinahen, parteiischen Medien aufgebaut – unter der strategischen Regie Herbert Kickls. Die blaue Medienstrategie hat das Ziel, kritischen, unabhängigen Journalismus zu umgehen; die ÖVP versucht, wie andere Parteien, längst ähnliche Kommunikationsstrategien.
  6. Werbebuchungen von Ministerien wurden bei der jüngsten FPÖ-Regierungsbeteiligung ab 2017 sehr rasch umverteilt. Weniger für kritische Medien, mehr für solche, von denen Freiheitliche freundlichere Berichterstattung erwarteten. Auch diese Linie verfolgt nicht alleine die FPÖ.

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"Krone" gegen Dreier-Koalition von ÖVP, SPÖ und Neos

2. Dezember 2024, Wien

Falls es noch jemand in der Redaktion oder der Leser:innenschaft von Österreichs größter und politisch aufmerksam beäugter Tageszeitung nicht geahnt hat: Krone-Herausgeber Christoph Dichand soll am Nachmittag des 2. Dezember 2024 in einer Redaktionssitzung klargemacht haben: "Wir wollen diese Koalition nicht." Gemeint: die Dreierkoalition von ÖVP, SPÖ und Neos, über die diese seit Wochen verhandeln. So jedenfalls erzählen das Menschen, die an der Sitzung teilgenommen haben.

Überraschen konnte die Info nicht: Seit der Nationalratswahl am 29. September 2024 mit dem Wahlsieger FPÖ lässt die Krone keinen Zweifel an ihrer Abneigung gegen die Dreierkoalition. Am 1. Oktober titelte sie "Zuckerl-Koalition soll Kickl stoppen". Bis Ende dieses Jahres wird sie sich mehr als 244 Mal mit diesem wenig wertschätzenden Begriff über die geplante Zusammenarbeit lustig machen.

Wie bei der Krone seit Jahrzehnten wutbürgerliche Tradition wird die Kampagne gegen die Koalition auch auf den Leserbriefseiten geführt. Diese Seiten betitelt die Krone seit Ende des Sommers 2024 und einer Aufsehen erregenden Teaserkampagne im Nationalratswahlkampf als "Die Stimme Österreichs".

Ich erkläre mir die Abneigung, vielleicht zu simpel, mit der langjährigen strikten Ablehnung der Krone und ihrer Eigentümerfamilie Dichand, die zu den hundert reichsten Familien des Landes zählt, gegen Vermögens- und Erbschaftssteuern. Die fordert Andreas Bablers SPÖ ziemlich nachdrücklich.

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ÖVP geht mit massivem Grant auf den ORF in Koalitionsverhandlungen

25. November 2024

Erste Verhandlungsrunde zur Medienpolitik einer geplanten Dreierkoalition von ÖVP, SPÖ und Neos. Die ÖVP geht in die Gespräche mit Positionen, die andere Sitzungsteilnehmer vermuten lassen, die Volkspartei sehe die Schuld für ihr schlechtes Abschneiden bei der Nationalratswahl vor allem beim ORF.

Ich höre zunächst, die ÖVP wolle FM4 abschaffen. Dann: Die für 2027 geplante und budgetierte Erhöhung des ORF-Beitrags soll gestrichen werden, womöglich auf volle fünf Jahre. Damit hätte der ORF jährlich 57 Millionen Euro weniger, im Extremfall fehlten über fünf Jahre 285 Millionen Euro. Im ORF zeichnet man die Konsequenzen so: Schluss mit dem Radio-Symphonieorchester RSO, Schluss mit ORF Sport Plus und Schluss mit ORF 3.

Das würde zum Forderungspapier der ÖVP für die Koalitionsverhandlungen passen: Denn neben einer Beschränkung auf zwei bundesweite Radioprogramme ("FM4 wird nicht fortgesetzt") sieht das Papier "Zusammenlegung von ORF 1 und ORF 3" vor. Zudem eine "schlankere Führungsstruktur", in Klammer steht daneben ein "V" für Vorstand. Auffällig radikal tritt in den Verhandlungen laut Teilnehmern vor allem Medienministerin Susanne Raab (ÖVP) auf. Und "kontinuierliche Kostenoptimierung", darunter fällt wohl der einzufrierende ORF-Beitrag.

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Überraschendes Oktoberhoch für Oe24

15. November 2024, Wien

Eine spektakulärer Sprung in den Nutzungszahlen der Österreichischen Web-Analyse (ÖWA) für oe24.at der Fellners überrascht doch etwas. In einem nicht sehr nachrichtenstarken Monat legt das Portal in Österreich um rund eine Million Unique User zu, das ist rund ein Drittel mehr als im September mit Nationalratswahl und Ausnahmehochwasser in Ostösterreich. Das größte Plus in der Geschichte der ÖWA-Erhebung, vermerkt das Branchenmedium Horizont. Ähnlich deutlich legten die Unique Clients laut ÖWA zu, die Visits um ein Fünftel und die Page Impressions um ein Sechstel. Mitarbeiter:innen der Mediengruppe verweisen im Gespräch auf eine Story über einen angeblichen öffentlichen Auftritt der 2013 schwer verunfallten Formel-1-Legende Michael Schumacher, die herausragend performed habe, Niki Fellner verneint das auf meine Anfrage: "Der von Ihnen genannte Artikel hat bei den Unique Usern jedenfalls keinen maßgeblichen Beitrag gehabt, sondern vielmehr die Summe an unterschiedlichen Inhalten und Artikeln von oe24, die im Oktober besonders gut performt haben." Die ÖWA kommentiert – wie üblich – die Daten nicht.

  • Update: Die nächsten ÖWA-Monatsdaten für November 2024 gibt oe24.at nicht zur Veröffentlichung frei.

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Ein Berater für die Presse

2. November 2024, Wien

Dass sich Florian Asamer und Martin Kotynek gut verstehen, war schon bekannt, als Kotynek noch Chefredakteur des Standard war (bis Sommer 2023) und Asamer noch nicht Chefredakteur der Presse (fix ab Februar 2023). Dass Kotynek auch nach seinem Abgang beim Standard Asamer gerne redete, flüsterten mir meine Quellen auch schon. Ab Oktober 2024 tritt Kotynek, inzwischen Gründungsgeschäftsführer des Media Forward Fund, als Berater für Paid-Strategien auch bei eine größeren Personenkreis in der Redaktion der Presse in Erscheinung.

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Tut sich da was bei der Krone?

27. Oktober 2024, Wien, Essen

Es ist nicht mehr als ein Eindruck, ein Gefühl, nicht mehr. Erhärten lässt sich das nicht, rundum großes Schweigen. Mein Eindruck: Es scheint sich etwas zu bewegen im fast schon ewigen Patt zwischen den Krone-Eigentümern, also der deutschen Funke-Gruppe und der Gründerfamilie Dichand. Die Funkes wollen ihre Anteile verkaufen, die Dichands jene an der Krone kaufen, ebenso Raiffeisen die Funke-Anteile am Kurier. Stimmt mein Eindruck von Bewegung, und wird ob daraus tatsächlich etwas? Abwarten.

Ich höre, dass die jüngste, 160 Seiten umfassende Entscheidung des Schiedsgerichts zwar grundsätzlich die Position der Dichands im Streit über Rahmenvereinbarungen mit der Funke-Gruppe und Garantiegewinne für die Dichands bestätigt. Allerdings soll das Schiedsgericht für die Dichands auch weniger erfreuliche Punkte festgehalten haben, höre ich ebenso unbestätigt (die Beteiligten schweigen). Zum Beispiel: 

  • Helga Dichand ist noch während des Geschäftsjahrs 2023/2024 gestorben, also gebe es für dieses Geschäftsjahr nur noch den halben Garantiegewinn.
  • Kapitalzuschüsse der Funke-Gruppe sind aus Gewinnen der Krone an die Funkes zurückzuzahlen, wenn sie höher sind als der Garantiegewinn für die Dichands.
  • Wenn die Funkes ihren Anteil verkaufen oder die Gesellschaft aufgelöst wird, entfällt damit auch der Garantiegewinn. Die Kapitalzuschüsse sollen aber weiterhin fällig sein. Der Jahresabschluss der Mediaprint für 2022/2023 erwähnt insgesamt 22 Millionen Kapitalzufuhr der Gesellschafter (das sind Krone und Kurier, also zu dem Zeitpunkt Funke, Dichand, Raiffeisen).
  • Um die Rahmenvereinbarungen mit den Dichands loszuwerden, müssten nur zwei gemeinsame Krone-Gesellschaften aufgekündigt werden. Diese Aufkündigung überlegt die Funke-Gruppe 2024 als letzte Option im Krone-Streit. Wenn die Verkaufsverhandlungen nicht Fahrt aufnehmen und zu einem Ergebnis kommen.

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Mehr als doppelt soviel Werbung öffentlicher Stellen gemeldet wie bisher

15. Oktober 2024, Wien

Ich war zwar über ein paar Ecken vorgewarnt, dass das Werbevolumen öffentlicher Stellen sehr viel größer ausfallen dürfte. Aber bei der Summe für das erste Halbjahr 2024 habe ich dann doch noch einmal vorsorglich nachgefragt, ob das schon die echten Daten sind. Sie waren echt. Und ich ein bisschen baff.

Im ersten Halbjahr 2023 meldeten öffentliche Stellen 78 Millionen an Werbebuchungen, noch mit Ausnahmen für kleinere Buchungen unter 5000 Euro und für nicht periodischen Medien. Mit auch den kleinsten Buchungen, mit Außenwerbung, Sponsoring und nicht periodischen Publikationen wurden es aber im ersten Halbjahr 2024 gleich 196,5 Millionen Euro. Mehr als im Gesamtjahr 2023. So intransparent war die Medientransparenz in Österreich bisher also.

Das zweiten Halbjahr ist üblicherweise werbestärker als das erste. Das lässt mehr als 400 Millionen Euro für Werbung öffentlicher Stellen im Gesamtjahr 2024 erwarten.

Mehr zur Österreichischen Medientransparenz auf diemedien.at und die neuen Visualisierungen von RTR und Joanneum Research.

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Schweizer TX Group bot Vermarkter Goldbach Österreich zum Verkauf

September 2024, Wien

Der Schweizer Medienkonzern TX Group hat im Frühjahr 2024 Käufer für die Österrreich-Tochter seines Vermarkters Goldbach gesucht. Das höre ich im September 2024 von einem Unternehmen, das offenbar einen Kauf zumindest erwogen hat – und zumindest soweit für mich erkennbar davon Abstand genommen hat.

Das passt zu früheren Infos aus einer anderen Quelle: Im Frühjahr 2024 soll die TX Group auch überlegt haben, ihre Österreich-Beteiligungen zusammenzulegen – also einerseits Heute, für das Goldbach schon als Onlinevermarkter tätig ist, und andererseits Goldbach Österreich. Diese Variante hätte bedeutet, dass der in einer Liechtensteiner Stiftung geparkte Heute.at-Anteile von Herausgeberin Eva Dichand mit der Verschmelzung geschrumpft wären. Daran soll sich, so höre ich jedenfalls, diese Variante gespießt haben.

Die TX Group erklärt mir auf Anfrage Ende August 2024 zur Idee einer Verschmelzung: "Es gibt aktuell keine Gespräche zu einer Zusammenführung der TX-Beteiligungen in Österreich." Bei den österreichischen Medientagen spreche ich einen Manager von Goldbach Österreich darauf an, der dazu schweigt.

Update 11. November 2024, Wien, Zürich, Amsterdam: Goldbach verkauft an Azerion

Im November 2024 machen Goldbach und TX Group den Abschied offiziell: Die niederländische Azerion-Gruppe, Onlinevermarkter und Contentproduzent, übernimmt Goldbach Austria. Die Marke Goldbach bleibe "vorerst", heißt es. diemedien.Tagebuch-Leser:innen waren darauf vorbereitet.

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Neue Chefredakteurinnen für Salzburger Nachrichten sorgen für interne Unruhe

Ende August 2024, Salzburg

Karin Zauner und Anja Kröll werden der Redaktion der Salzburger Nachrichten vom neuen Herausgeber Maximilian Dasch als neue Chefredakteurin ab Mitte 2025 und Vize-Chefredakteurin des Qualitätsblatts vorgestellt.

Nach dem Tod seines Vaters Max Dasch im Frühjahr 2024 übernahm sein Sohn auch die Funktion des Herausgebers. Ein Redaktionsstatut und Mitbestimmungsrechte der Redaktion bei der Bestellung von redaktionellem Führungspersonal gibt es bei den Salzburger Nachrichten 2024 nicht. Die Bestellung sorgt für einige Unruhe in der Redaktion, höre ich.

Zauner ist Chefin vom Dienst, Kröll war das schon neben ihr, bevor sie zum Kurier wechselte, und ihr Managementstil damals wurde in der Redaktion nicht nur positiv wahrgenommen. Beim Kurier übrigens auch nicht.

Zauner löst Manfred Perterer als Langzeitchefredakteur ab, er wird im August 2025 65. Kröll löst nach meinen Infos schon im November den Leiter der Wiener Redaktion und Politikchef Andreas Koller in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs ab.

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Wolfgang Fellners millionenschwere Immo-Angebote

9. Juli 2024, Wien, Ibiza, Malibu

Schon wieder tauchen Luxusimmobilien der Familie von Österreich/Oe24-Herausgeber Wolfgang Fellner auf Immobilienportalen auf: Um den Jahreswechsel 2023/2024 bot ein professioneller Makler etwa auf Willhaben.at die Döblinger Villa der Fellners an. Nun finden sich Mitte 2024 die Fellner-Villa auf eigener Halbinsel auf Ibiza und das Anwesen in Malibu (Los Angeles) auf mehreren Online-Immobilienportalen.

Die für Ibiza als Vermittler genannte, internationale Immobilienfirma bestätigt mir, wovon auszugehen ist, dass sie nicht ohne Auftrag der Besitzer zum Verkauf anbietet. Wolfgang Fellner erklärte mir schon zum Jahreswechsel in Sachen Döbling auf Anfrage, dass es keinen Verkauf gebe, ähnlich kommentiert er die Annoncen im Sommer.

Die Immobilien werden in den Onlineinseraten zwischen 26 und 29 Millionen Euro angeboten. Das verleitet zum Nachdenken, wieviel Geld die Fellners noch zum Schuldenschnitt mit einer Vielzahl kreditgebender Banken offen haben. Den Verkauf der Radiobeteiligungen, ausgepreist mit zehn Millionen Euro, haben sie im Frühjahr 2024 abgeblasen.

Aber: Nach meinen Informationen hat Wolfgang Fellner seinen Teil schon mit dem Verkaufserlös seiner Villa am Mondsee (10,5 Millionen Euro laut Kaufvertrag im Grundbuch) zur Sanierung der Gruppe beigetragen. Sein Bruder Helmuth, der eigentlich vom Projekt Tageszeitung in den 2000ern nicht so begeistert war, hat Anfang 2024 die Gruppe de facto übernommen und nach meinen Infos ordentlich Kapital zugeschossen. Wolfgang soll wirtschaftlich nicht mehr involviert sein.

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Nach Helga Dichands Tod irritiert Funke-Gruppe die Krone-Familie

13. Juni 2024, Wien, Essen

In der Nacht auf 13. Juni 2024 stirbt Helga Dichand, die Witwe von Krone-Gründer Hans Dichand und Mutter von Michael, Johanna und Christoph Dichand. Alle meine Kontakte schweigen, als ich versuche, dafür eine Bestätigung zu bekommen. Erst als Christoph Dichand die Mitarbeiter:innen intern informiert, gehe ich mit der Story auf derStandard.at hinaus.

Die deutsche Funke-Gruppe reagiert auf die Todesnachricht wenig sensibel, aber sehr rasch mit einer Eingabe an das Schweizer Schiedsgericht, das gerade über die von Funke blockierten Gewinnausschüttungen seit 2019 berät. Denn: Mit Helga Dichands Tod halbiert sich die Gewinngarantie für die Dichands. Wenn die Krone sie nicht abwirft, muss die Funke-Gruppe sie überweisen. Die bis dahin rund zehn Millionen Euro Gewinngarantie pro Jahr sind seit Jahrzehnten der wichtigste Konfliktpunkt im Streit zwischen Dichands und Funke.

Das Papier zu diesem Zeitpunkt tiefer Trauer stößt die Dichands massiv vor den Kopf. „Der Zeitpunkt ist eine Katastrophe“, sagt mir zum Timing ein hochrangiger Mensch mit Einblick in die Lage, der nicht zum Dichand-Lager gehört. Die Funke-Gruppe argumentiert intern, sie habe aufgrund von vertraglich vorgesehenen Fristen so rasch handeln müssen.

Das dürfte der Grund sein, warum in der letzten Juniwoche die Frist ein Umlaufbeschluss der Gesellschafter über eine Neukonzeption der Mediaprint ohne Zustimmung der Dichands verstrich. Die Sitzung des Mediaprint-Gesellschafterausschusses (GAS) fand am 12. Juni 2024 statt, Christoph Dichand war bei seiner Mutter.

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Neue Mediaprint-Struktur verzögert

Die Neukonzeption der Mediaprint soll nun im September 2024 im GAS wieder auf der Tagesordnung stehen (Update Oktober 2024: Auch da sieht es nicht nach Klärung aus). Es geht um eine Neuverteilung der Aufgaben unter den drei Geschäftsführern. Statt nach Sachbereichen wie Anzeigenverkauf (im Frühjahr 2024 noch Gerhard Valeskini für die Krone) oder Vertrieb/Abo, das bisher traditionell beim Kurier-Vertreter liegt, geplant: je ein Mediaprint-Geschäftsführer für Werbeverkauf/Vertrieb für die Krone (da könnte es einen neuen geben) und für den Kurier (Richard Grasl, Mediaprint-Geschäftsführer ab Mitte 2024) und einer für gemeinsame Strukturaufgaben wie Hauszustellung, Druckereien, Verwaltung. Das ist Michael Tillian – jedenfalls solange die Funke-Gruppe an Bord ist.

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Helmuth Fellner beantragt "aus Prinzip", mich von seinen Gerichtsverhandlungen auszuschließen

22. April 2024, Handelsgericht Wien, Saal 708. Aktenzahl 15 Cg 112/23x

Lounge FM hat die Fellner-Mediengruppe, konkret: das damalige Radio Austria, geklagt. Lounge hat per Vertrag zu einem Pauschalpreis den Fellners Lizenzen für die bundesweite Lizenz von Radio Austria verkauft, aber nicht alle verwendet und zahlt nun nicht die volle vereinbarte Pauschale. Die ersten eineinhalb Stunden der open end angesetzten Verhandlung muss sich das Gericht auf Antrag Helmuth Fellners mit dem Ausschluss der Öffentlichkeit beschäftigen – ich wollte die Verhandlung verfolgen. Während Richterin Maria Posani darüber nachdenkt, sucht Fellner Beispiele, rauscht lächelnd auf mich zu und fragt mich, bei welcher Verhandlung er mich letztens ausgeschlossen habe.
Gegenfrage: Wissen Sie nicht, worüber Sie prozessieren?
Fellner: "Vor fünf, sechs Jahren hier am Handelsgericht, irgendwas Unwichtiges."
Ich: "Sie lassen mich von einer unwichtigen Verhandlung ausschließen?"
Fellner: "Aus Prinzip."

Die Richterin schließt mich aus, aber bei der Gelegenheit höre ich noch Interessantes im Gerichtssaal, weil die Gegenseite danach fragt: Helmuth Fellner ließ sich am 16. März 2024 zum Geschäftsführer der Radio Austria bestellen (obwohl er bis auf eine Gesellschaft und seine Beratungsfirma keinerlei Geschäftsführerfunktionen in der Mediengruppe hatte). Damit wird er Partei, sagen mir Juristen, und steht nicht unter Wahrheitspflicht. Ungewöhnlich daran: Fellners Funktion ist auch am 22. April noch nicht im Firmenbuch veröffentlicht.

Fellner hört sich in der Verhandlung an die vier Stunden ausführliche Aussagen der Gegenseite an, um dann die Richterin um Vertagung zu ersuchen, bevor er befragt wird. Er sei, seinem Alter geschuldet, schon zu erschöpft. Der 67jährige gewiefte Verhandler kann sich nun anhand der Aussagen von Lounge FM bis 16. Mai 2024 überlegen, was er vor Gericht dazu sagt.

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Gerhard Zeilers Vertrag bei Warner Bros. Discovery läuft bis Mitte 2025

8. April 2024, "C3 Business Talk" im Audi-Store in der Wiener Kärntner Straße

Österreichs internationalster und international erfolgreichster Medienmanager Gerhard Zeiler muss im Herbst klären, was er ab Mitte 2025 so tut, höre ich am Rande des Business Talks von Thomas Prantners Agentur C3. Sein Vertrag als President of International beim US-Medienkonzern Warner Bros. Discovery läuft bis Mitte 2025. Zeiler überlegt nach eigenem Bekunden, ob er verlängern möchte. Warner Bros. Discovery gilt als mögliches Merger- oder Übernahmeziel. Ende 2023 sprach der Konzern mit Paramount über einen Zusammenschluss. Zeiler ließ 2016 Christian Kern den Vortritt bei der Nachfolge von Werner Faymann in SPÖ und Kanzleramt. Bei dem Business Talk fragt Prantner, langjähriger ORF-Manager und nunmehriger Berater, seinen Exchef beim ORF Zeiler auch zu einer möglichen Kandidatur für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten. Zeiler winkt dazu ab, wenn auch mit einer nicht gänzlich eindeutigen Formulierung.

  • Update Dezember 2024: Zeilers Vertrag wird bis 2027 verlängert.

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Der unveröffentlichte Radiotest

26. Jänner 2024, OTS

Am 26. Jänner 2024 informieren ORF und Privatsender, dass die große Nutzungsstudie Radiotest für das Kalenderjahr 2023 nicht veröffentlicht wird, wie Ende Jänner üblich. Es sei nicht genug Zeit für "qualitätssichernde Maßnahmen" lassen sie gemeinsam verlauten. Was ist passiert? Der Anteil der Onlineinterviews für den Radiotest wurde von 10 auf 20 Prozent erhöht, nun werden auch Menschen zwischen 50 und 69 online interviewt.

Ergebnis nach meinen Informationen: Die Nutzungsdaten einzelner Radiosender schnellten, eher schwer nachvollziehbar, in die Höhe. Beim Rockradio 88.6 wäre man das noch gewohnt in diesen Zeiten, aber etwa auch Sender der Fellner-Gruppe sollen überraschend hochgeschnalzt sein (dann hätten sie ihren Sender wohl nicht im Mai 2024 in Oe24 umbenannt). Die Daten werden noch einige Monate geprüft und qualitätgesichert, bevor sie veröffentlicht werden.

Ich höre etwa von einer hervorstechenden Zahl von Menschen zwischen 35 und 45 Jahren, die sich erst in der Woche vor der Befragung für Onlineinterviews angemeldet hätten und auf die Frage, welche Verbreitungsarten von UKW über DAB+ bis Streaming und Apps querbeet alle Varianten ausgewählt haben. Sie wurden qualitätssichernd ausgeschieden, höre ich später.

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