Agenda 2026: Was auf Österreichs Medien zukommt
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Warum ist das wichtig?
- 2026 werden im ORF die Weichen für die nächsten fünf Jahre gestellt – mit der Bestellung der nächsten Führung von Österreichs weitaus größtem Medienkonzern. Und, geplant jedenfalls, mit einer großen Enquete im Herbst über ein neues ORF-Gesetz und die österreichische Medienbranche insgesamt.
- Die Komplettübernahme der Krone durch die Dichands wurde am 25. November 2025 abgeschlossen. Damit geht es konkreter an deren Neuaufstellung von Österreichs einflussreichster Medienmarke als Familienbetrieb – und an die Komplettübernahme des Kurier sowie einen Umbau von Österreichs größtem traditionellem Verlagskonzern Mediaprint. Innerhalb der Familie Dichand knirscht es unterdessen weiter.
- Österreichs Regierung hat zwei neue Medienförderungen für die krisengebeutelte Medienbranche für 2026 angekündigt: 25 Millionen Euro Zustellförderung für Gedrucktes, mit 30 Millionen will sie journalistische Angebote für junge Zielgruppen unterstützen. Bestehende Medienförderungen sollen analysiert und möglichst in ein einheitlicheres Gesamtsystem gebracht werden.
- Die 2025 begonnen Kürzungen und Umbauten in der Medienbranche nach massiven Werbeeinbrüchen dürften auch in den kommenden Jahren weitergehen.
Was kommt 2026 auf Österreichs Medienbranche absehbar zu? Ich versuche hier einen Überblick – und danke gleich für Hinweise, was in dieser Übersicht fehlt, an harald@diemedien.at!
Was seit 1999 Jahr für Jahr in Österreichs Medienpolitik passierte, findest du unter Was war wann? Marksteine der Medienentwicklung.
ORF-Wahl und ORF-Enquete
Kontext Österreichs größter Medienkonzern ORF | Wie wird man ORF-General?
Am 11. August 2026 bestellen die 35 ORF-Stiftungsräte den nächsten ORF-Generaldirektor oder die nächste ORF-Generaldirektorin für fünf Jahre ab 1. Jänner 2027. Für den Job wurden im Sommer und Herbst 2025 der amtierende General Roland Weißmann, Kronehit-Geschäftsführer Philipp König und ORF-Landesdirektor Alexander Hofer am höchsten gehandelt. Aber: Es sind da noch einige Monate bis zur Ausschreibung Ende Juni 2026. Und Markus Breitenecker braucht auch einen neuen Job.
ÖVP und SPÖ haben nun die größten, entscheidenden Fraktionen im Stiftungsrat.
Frisch bestellte ORF-Generäle schlagen ihr Direktorium (bis zu 4) in der Zentrale und die Landesdirektor:innen vor – Salzburg, Steiermark, Kärnten brauchen jedenfalls neue ORF-Landeschefs. Sie werden laut Plan am 24. September bestellt.
Der Bestellung neuer ORF-Führungen – insbesondere unter neuen Mehrheitsverhältnissen im Stiftungsrat – folgen üblicherweise viele Besetzungen von Führungspositionen im ORF. Mehr über Hoffnungsträger und Karrierespekulationen findest du hier auf <span class="dmmark">diemedien.</span>.
Der ORF rechnet 2026 mit weiteren Sparmaßnahmen bei sinkenden Werbeeinnahmen; er will aber deutlich mehr Geld aus ORF-Beiträgen als 2025 im laufenden Betrieb einsetzen.
Für Herbst 2026 hat das Medienministerium eine größere Medienenquete angekündigt, die sich unter anderem mit einer größeren Novelle des ORF-Gesetzes beschäftigen soll. Im Regierungsprogramm stehen etwa mehr Kooperation mit privaten Medienhäusern, weitere Verschlankung, mehr Bürgernähe und für die ORF-Gremien etwa "mehr Bürgerbeteiligung, vielfältige Fachexpertise, verstärkte Unabhängigkeit".
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Krone, Kurier, Mediaprint
Kontext Die Krone ist Österreichs einflussreichste Zeitungsmarke, die Mediaprint Österreichs größter Verlagskonzern.
Die Komplettübernahme der Kronen Zeitung durch die Gründerfamilie Dichand wurde am 25. November 2025 formell mit dem Closing abgeschlossen, Christoph Dichand übernimmt die Mehrheit, sein Bruder Michael die übrigen Anteile. Innerhalb der Familie soll es allerdings weiter knirschen – zwischen Johanna Dichand und ihren Brüdern.
Wird spannend, wie Herausgeber und Mehrheitseigner Christoph Dichand die Krone neu aufstellt und ihre Führung organisiert. Als möglicher (weiterer) Chefredakteur etwa wurde in den vergangenen Monaten immer wieder Claus Pándi kolportiert.
Nach Abschluss des Verkaufs der Krone-Anteile dürfte die deutsche Funke-Mediengruppe sich wieder dem Verkauf ihrer rund 49,5 Prozent am Kurier an Mehrheitseigentümer Raiffeisen zuwenden. Zuletzt lagen die Preisvorstellungen dafür weit auseinander.
Die Dichands drängen zudem auf einen Umbau der Mediaprint. 30 Prozent vertraglich garantierter Gewinnanteil (so vorhanden) für den Kurier stören die Krone-Familie seit Langem. Bisher werden Anzeigen- und Vertriebsumsätze in der Mediaprint gemeinsam fakturiert. Künftig könnten die beiden Zeitungsmarken eigenständiger wirtschaften – damit würden auch die aufzuteilenden Umsätze in der Mediaprint deutlich geringer.
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Neue Medienförderungen, Umbau der bestehenden
Kontext Medienförderungen in Österreich
Zustellförderung. Die Zustellung von Zeitungen und Zeitschriften soll ab 2026 mit insgesamt 25 Millionen Euro pro Jahr gefördert werden. Die Förderungen pro Stück sollen mit der Höhe der Auflage abnehmen. Wird etwa mit dem Aufwand des Vertriebs und der Versorgung von entlegeneren Regionen erklärt.
Meine-Zeitung-Abo. Die Regierung hat für 2026 auch ein sogenanntes Meine-Zeitung-Abo angekündigt. Nach bisherigen Auskünften aus dem Medienministerium sollen da journalistische Angebote für jüngere Menschen gefördert werden und damit auch Medienkompetenz.
Bedingung für beide neuen Förderungen: Sie müssen von der EU akzeptiert ("notifiziert") werden.
Analyse und Neuaufstellung. Die bestehenden Medienförderungen werden gerade im Auftrag des Medienministeriums von Medienhaus Wien analysiert. Das Regierungsprogramm nimmt sich für Medienförderungen etwa "klare Ziele", Förderung von Innovation und Qualitätskriterien vor.
Die Digitaltransformationsförderung in ihrer aktuellen Form wurde von der EU nur bis 2027 genehmigt.
Die Privatsender drängen angesichts der neuen Medienförderung für Textmedien ebenfalls auf höhere Förderung, derzeit erhalten die kommerziellen Sender 25 Millionen Euro pro Jahr.
Der zuständige Medienminister Andreas Babler (SPÖ) wird schon 2025 vom Boulevard massiv angegriffen, etwa wegen Kürzungen von Werbebuchungen der gesamten Regierung.
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Was 2025 offen blieb
Das Europäische Medienfreiheitsgesetz sollte eigentlich seit Sommer 2025 national umgesetzt sein. Bis Ende 2025 gelang das nicht. Ebenso wenig die nationale Umsetzung der EU-Verordnung über Transparenz für politische Werbung.
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Medienkrise und Konsolidierung
Die teils massiven Sparmaßnahmen Jobkürzungen des Jahres 2025 in einigen Medienunternehmen sind nach den Worten einzelner Medienmanager:innen mit diesem Jahr nicht abgeschlossen. Mit Umstrukturierungen, weiteren Kürzungen und auf Sicht auch Konsolidierung in der Branche dürfte zu rechnen sein.
Das Regierungsprogram verspricht Erleichterungen für Medienzusammenschlüsse.
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Pläne, Themen, Namen 2026
Was noch anstehen könnte:
- Joyn. ORF und Servus TV überlegen im Herbst 2025, ob beziehungsweise wie sie ihre Inhalte künftig auf der Streamingplattform von ProSiebenSat1Puls4 verfügbar machen. Mutterkonzern ProSiebenSat1 wurde 2025 von der Medienholding MFE übernommen, die eine eigene Streamingplattform betreibt.
- Markus Breitenecker wird sich nach dem Abschied aus dem ProSieben-Vorstand wohl neue Betätigungsfelder suchen. Vielleicht ja doch im ORF.
- Falstaff. Herausgeber Wolfgang Rosam kündigt für Frühjahr 2026 eine Lizenzausgabe für Portugal an.
- Red Bull stellt 2026 sein reguläres Buchverlagsgeschäft unter der Marke Benevento Publishing ein.
- Song Contest. Der ESC 2026 in Wien wird den ORF noch gut beschäftigen.
- Streaming. HBO Max soll Anfang 2026 im deutschsprachigen Raum starten.
- RTL und Sky. Die Übernahme von Sky Deutschland und Sky Österreich sollte abgeschlossen werden.
Noch ein FPÖ-Kanal
Die FPÖ startet am 17. Jänner 2026 ihr vor einem Jahr angekündigtes Webradioprogramm und nennt es "Austria First".
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